3 50g Goldbarren liegen auf einem Boden.

Gold kaufen? Oder: die Kunst des klaren Denkens

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1. November 2019 // Geldanlage

Gold steht für Reichtum, Macht – und für Sicherheit. Das Edelmetall löst viele Emotionen aus und verleitet so dazu, unbedachte Entscheidungen zu treffen. Gerade bei der Geldanlage sind aber klare Überlegungen zwingend notwendig.

Gold löst große Gefühle aus, seit Jahrtausenden. Das gelbe Metall steht für Werte wie Reichtum, Göttlichkeit und Macht – ganz gleich, ob in Form von Münzen, Schmuck, in einer Goldader oder als Schatz, den es zu finden gilt. Das hat Menschen nicht nur einmal in Goldgräberstimmung und damit in wahrhaftigen Rausch versetzt. Sie sind jedoch nur selten zu Reichtum gekommen, im Gegenteil: Meist verarmten sie. Über Jahrhunderte drücken Menschen ihr Verhältnis zu Gold in Mythen aus – von der Sage über König Midas, dem alles zu Gold wird, was er berührt und der daran beinahe verhungert, über das Nibelungenlied, wo Gier zu Mord verleitet, bis zu Vergils oft zitiertem Satz aus der Aeneis: „In welches Verderben stürzest du doch die Sterblichen, o verfluchter Hunger nach Gold!“ [1]

Gold für ein sicheres Gefühl

Heute steht Gold nicht allein für Macht und Reichtum, sondern vor allem für Sicherheit. Je größer die Angst vor einer Wirtschaftskrise, desto mehr wächst das Bedürfnis von Verbrauchern, sich mit Gold abzusichern. Kein Wunder: Währungen unterliegen durch die Inflation einem steten Kaufkraftverlust – gegen den sich manche Verbraucher mit Gold absichern wollen. Doch auch dessen Preis ist nicht stabil, sondern schwankt zum Teil extrem. Darin spiegeln sich unter anderem die Erwartungen an die Wirtschaftslage wider, weil viele Anleger aus Sorge vor den Folgen einer Rezession Gold kaufen. Die Nachfrage nach Gold steigt und damit sein Preis.[2] Einige Medien ziehen den umgekehrten Schluss und leiten von einem steigenden Goldpreis die Wahrscheinlichkeit einer nahenden Rezession ab. Damit schüren sie Ängste und treiben womöglich Verbraucher zu einer unüberlegten Entscheidung – und den Goldpreis noch weiter in die Höhe.[3]

Rauf und runter

Doch die Verteuerung von Gold in schwierigen Zeiten ist nur die halbe Wahrheit. Denn sonst wäre – nach mehreren Wirtschaftskrisen in den vergangenen Jahrhunderten – der Preis für das Edelmetall längst ins Unermessliche gestiegen. Das ist nicht der Fall. Irgendwann sinkt er eben wieder: etwa dann, wenn das Interesse nachlässt, weil die Konjunktur wieder läuft und Aktien attraktiver erscheinen.[4] Wer sich bange machen lässt und Gold kauft, weil es scheinbar immer teurer wird, steigt möglicherweise kurz vor dem Zenit ein und kann nur noch dem allmählichen Preisverfall zuschauen.

Emotionen sind bei der Geldanlage selten gute Ratgeber, sie steht der Notwendigkeit des klaren Denkens entgegen. Dadurch, dass Sparer Entscheidungen treffen, ohne gründlich nachzudenken, können Phänomene wie beispielsweise Investmentblasen entstehen – seien es die Immobilienkrise in den USA 2007 oder die Bitcoinblase 2017/ 2018. Ähnlich wie der Preis für die Kryptowährung Bitcoin wieder stark abgefallen ist, kann auch der Goldpreis wieder sinken.

Gold bringt keine Rendite !

Und es gibt weitere Gemeinsamkeiten: Weder mit Bitcoin noch mit Gold lassen sich Renditen erzielen. Der Preis ändert sich, aber während der Haltedauer entstehen – wenigstens im Fall von Gold – Kosten für die Aufbewahrung. Für Münzen oder Barren ist ein Bankschließfach das Mittel der Wahl, doch das kostet Jahr für Jahr Gebühren von teils mehreren Hundert Euro.[5]

Aktien werfen dagegen meist Renditen ab – selbst, wenn die Kurse mal ins Minus rutschen sollten, winkt bei vielen Unternehmen eine Dividende. Wer als Sparer einen thesaurierenden Fonds gewählt hat, bekommt davon oft gar nichts mit. Denn beim Fondssparen werden die Ausschüttungen dann wieder in neue Anteile reinvestiert – damit diese wieder neue Erträge erzielen können.

Sehr anschaulich wird der Anteil von Dividenden an der Rendite eines Aktieninvestments, wenn man zum Beispiel den deutschen Leitindex Dax in seinen zwei Ausführungen Kursindex und Performanceindex miteinander vergleicht: Letzterer spiegelt die Entwicklung der 30 wichtigsten Werte in Deutschland insgesamt wider, ersterer nur deren Kursbewegungen ohne Dividenden.

So ein Mehrwert lässt sich mit Gold nicht erzielen – weder in Krisenzeiten noch in wirtschaftlichen Hochphasen. Fazit: Gold kann durchaus ein Gefühl von Sicherheit verleihen. Doch wer ein Vermögen aufbauen will, etwa für die Altersvorsorge, für den ist es nicht geeignet. Da sollten Wertpapiere, die eine Rendite erwirtschaften, klar an erster Stelle stehen.

Das heißt jedoch nicht, dass Sie als Anleger ihre Befürchtungen und Ängste nicht ernst nehmen sollten. Im Gegenteil: Die Kunst ist, sich sehr genau damit zu befassen, welches Risiko Sie einzugehen bereit sind und welche Verluste Sie keinesfalls hinnehmen wollen. Ein einfacher Weg dafür ist, bei einem Robo-Advisor (Vergleich und Erklärung hier) wie growney ein eigenes Risikoprofil zu erstellen, indem Sie wenige Fragen ehrlich beantwortet. Welche Investments dazu passen, verrät growney ebenfalls. So können Anleger sich gut betreut fühlen – und sicher sein, dass ihr Erspartes nicht in Geldanlagen steckt, die nicht zu ihnen passen.


[1] Buch III, Vers 56, https://www.gottwein.de/Lat/verg/aen03.php

[2] https://www.wiwo.de/my/finanzen/geldanlage/goldrausch-warum-gold-noch-nicht-zu-teuer-ist/24952986.html

[3] https://www.bild.de/geld/wirtschaft/wirtschaft/gold-auf-rekordkurs-der-kurs-des-edelmetalls-steigt-und-steigt-64207818.bild.html

[4] https://www.onvista.de/rohstoffe/Goldpreis-26263275

[5] https://feingoldhandel.de/schliessfach

Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Wissenschaftlicher Berater von growney

Bei der Asset Allokation und Fondsauswahl arbeitet growney eng mit Prof. Dietmar Hillebrand zusammen. Er ist Leiter des Steinbeis Transferzentrums Quantitative Finance und Professor für Wirtschaftsmathematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sein großes Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für Privatanleger nutzbar zu machen.



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