Definition Robo-Advisor

Robo-Advisor vereinen digitale Anlageberatung mit automatisierter Vermögensverwaltung. Während klassische Anlageberatung und traditionelle Vermögensverwaltung in Deutschland zu den Dienstleistungen von Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltern gehören, bieten Robo-Advisor diese Dienstleistungen online an. Die meisten Robo-Advisor überzeugen neben der automatisierte Beratung und Verwaltung mit einem starken Support (Chat, Telefon, E-Mail), der den Anleger bei Bedarf in jeder Phase begleitet.

Klassische Anlageberater und Vermögensverwalter treffen die Empfehlungen und Entscheidungen bezüglich der Geldanlage ihrer Kunden, nachdem sie in einem Beratungsgespräch die Wünsche und Risikoneigung ihrer Kunden abgefragt haben. Bei der anschließenden Produktempfehlung haben viele Berater und Vermögensverwalter den Anreiz eher zu teure Produkte zu empfehlen, weil sie z.B. hauseigene Finanzprodukte oder Partnerprodukte einsetzen (müssen) und damit ihre Wertschöpfungskette verlängern.

Im Gegensatz dazu basiert die Anlageentscheidung bei einem Robo-Advisor auf einer emotionslosen Technologie, die in einer objektiven Beratung Kenntnisse, Erfahrungen und die Risikoneigung des Kunden abfragt und analysiert. Auf dieser Basis wird bei allen unabhängigen Robo-Advisor eine interessenkonfliktfreie Investitions-Empfehlung ausgesprochen und nach der Zustimmung des Kunden umgesetzt.

Funktionsweise eines Robo-Advisor

Die Dienstleistung eines Robo-Advisors lässt sich in drei Teilbereiche gliedern.

1. Informationsbereitstellung

Zunächst werden einem Anleger Informationen zum Dienstleistungsangebot und zur Anlagephilosophie auf der Website eines Robo-Advisors bereitgestellt. Oft wird dieses Angebot durch verschiedenen Zusatzservices wie Webinare, Vergleichsrechner oder weitere Self-Services ergänzt.

2. Digitales Beratungs- und Planungs-Angebot

In der zweiten Phase durchläuft der Anleger eine Anlageberatung, in der seine Erfahrungen, Vermögensituation und Risikomentalität erfragt wird. So wird festgestellt, welche Portfoliozusammensetzung für die persönliche Risikoneigung am besten zu ihm passt. Auf Basis der Antworten spricht der Robo-Advisor eine Anlageempfehlung aus. Je nach Risikoneigung empfiehlt der Robo-Advisor eine für den Anleger passende Anlagestrategie.

In dem anschließenden Planungsabschnitt simuliert der Anleger unter Berücksichtigung der Robo-Advisor-Empfehlung seine potenziellen Sparbeiträge in die Zukunft. Nach abgeschlossener Planung werden die Rahmendaten automatisiert in einen Vertrag übernommen. Nach dem digitalen Vertragsabschluss identifiziert sich ein Anleger online per Video-Verfahren, mit seinem neuen Personalausweis oder traditionell am Postschalter.

3. Teilautomatisierte Vermögensverwaltung

In der dritten Phase wird die vertraglich beauftragte Geldanlage zum Beispiel als Fondssparplan umgesetzt und im persönlichen Bereich des Anlegers transparent dargestellt. Zu jeder Zeit hat ein Anleger die Möglichkeit, seine Geldanlage zu verändern: Anleger können Ein- oder Auszahlungen vornehmen oder die Sparrate anpassen. Der Robo-Advisor kümmert sich um alles andere wie Depot- und Kontoführung, Ausführliche Berichte zur Wertentwicklung, Steueroptimierung, Rebalancing, Fondsauswahl und -überwachung usw.

Vorteile von Robo-Advice

Die großen Vorteile von Robo-Advice gegenüber der klassischen Anlageberatung und privaten Vermögensverwaltung, sind die geringen Kosten und in vielen Fällen die Unabhängigkeit. Die von Robo-Advisor angebotenen Finanzprodukte sind überwiegend ETFs. Die Gebühren von ETFs sind fast immer wesentlich günstiger als die Finanzprodukte, die von Anlageberatern und traditionellen Vermögensverwaltern empfohlen werden.

Finanzberater von z.B. Banken bieten darüber hinaus oft hauseigene Produkte an. Daher ist die Unabhängigkeit einer solchen Beratung beschränkt. Unabhängige Robo-Advisor wählen die verwendeten Finanzprodukte allein auf Basis der Produktqualität aus. Bei der Qualität spielen niedrige Produktkosten, eine möglichst geringe Tracking Difference, die Steueroptimierung und die Abbildungsgenauigkeit eine entscheidende Rolle. Direkte oder indirekte Provisionsvergütungen von Produktanbietern nehmen unabhängige Robo-Advisor nicht an und können damit einen unabhängigen Best-in-Class-Ansatz verfolgen.

Die Vorteile von Robo-Advisory gegenüber einer eigenständig durchgeführten Geldanlage sind insbesondere die Zeitersparnis und sehr oft ein Kostenvorteil, der am Ende zu einer höheren Rendite führt.

Ein breit diversifiziertes Allokationskonzept zu verfolgen und eine Produktübersetzung durch die Analyse einzelner Wertpapiere vorzunehmen, ist aufwendig. Viele Privatanleger haben nicht die Zeit oder bringen nicht die Disziplin auf, ihre Portfolios regelmäßig auf das Allokationsziel, die Produktqualität und ihre Risikoeinstellung anzupassen. In einer wissenschaftlichen Studie von Brad M. Barber (University of California, Davis) und Terrance Odean (University of California, Berkeley) wurden diese und weitere Gründe genannt, die dazu führen, dass Privatanleger durchschnittlich schlechter als ETFs auf Aktienindizes abschneiden.

Anleger, die eigenständig einen Fondssparplan verfolgen, sollten die normalerweise üblichen Transaktionskosten mit den pauschalen Gebühren eines Robo-Advisors vergleichen. In vielen Fällen ergibt sich schon an dieser Stelle, unabhängig von der eingesetzten Zeit des Selbstentscheiders, häufig schon ein Kostenvorteil zu Gunsten eines Robo-Advisors für den Anleger.

Weitere Vorteile von Robo-Advisors sind die geringen Mindestanlagebeträge sowie die Transparenz bei den Gebühren und der Anlagestrategie. Durch die Digitalisierung der Vermögensverwaltung haben heute auch Anleger mit kleinen Vermögen die Möglichkeit ihr Geld individuell, professionell und kostengünstig verwalten zu lassen.

Anlagestrategien von Robo-Advisors

Die Anlagestrategien von Robo-Advisors lassen sich in zwei unterschiedliche Ansätze einteilen:

Passive Risikosteuerung/ Buy and Hold (B&H)

B&H bedeutet im Allgemeinen, in ein Portfolio zu investieren dessen Zusammensetzung über den Anlagezeitraum nicht verändert wird.

Passive Robo-Advisor weichen von dieser Strategie ab, indem sie die Gewichtungen der einzelnen Anlageklassen entsprechend der Kursentwicklung anpassen. Hier spricht man von Rebalancing. Durchgeführt wird das Rebalancing z.B. wenn sich der Aktienanteil im Portfolio besser entwickelt als der Anleiheanteil. Das Portfolio wird in diesem Fall umgeschichtet, indem Aktienfonds verkauft und Anleihefonds gekauft werden. Die ursprüngliche Risikogewichtung wird so wieder erreicht.

Darüber hinaus verfolgen passive Robo-Advisors eine sehr langfristige Strategie wie z.B. die Anpassung des Portfolios an die Wertschöpfung in der Welt. Diese Anlagestrategien führen unregelmäßig zu Anpassungen im Portfolio.

Die Finanzprodukte, in die der passive Robo-Advisor das verwaltete Vermögen investiert, werden regelmäßig hinsichtlich ihrer Qualität überprüft, so dass nur die besten Produkte ihrer Klasse für Investitionen in Betracht gezogen werden. Zudem ist die Anlagestrategie von Robo-Advisors oft darauf abgestimmt, steuerliche Handlungsspielräume zu nutzen.

Hintergrund dieser Anlagestrategie ist es, Transaktionskosten zu minimieren und dadurch die Rendite zu steigern. Aktien- und Anleihenmärkte sind in der Regel sehr informationseffizient: Es ist daher sehr schwer, anhand neuer Informationen Vorteile in Form einer überdurchschnittlichen Rendite zu erreichen.

Aktive Risikosteuerung

Durch einen Algorithmus und/ oder durch menschliche Intuition wird versucht zukünftige Kursentwicklung oder lediglich Kursschwankungen zu prognostizieren. Der Risikogehalt eines Portfolios wird entsprechend der Risikoneigung eines Investors aufgrund der Prognose zukünftiger Kursentwicklungen angepasst. Steigt die simulierte Wahrscheinlichkeit eines Verlustrisikos aufgrund der aktuellen Marktlage im Portfolio, so wird automatisch eine Umschichtung im Portfolio vorgenommen. Die Prognosefähigkeit einer aktiven Risikosteuerungssystematik muss den Verlust, der aus den Transaktionskosten und den Verlust aus dem Steuerstundungseffekt der bei passiven Strategien entsteht, überkompensieren.

Robo-Advisor in der Praxis

Bei der Auswahl eines Robo-Advisors sollten mehrere Kriterien beachtet werden. Neben der Transparenz der Angebotsdarstellung, der Anlagestrategie (aktiv oder passiv) sind insbesondere die Kosten ein wichtiges Kriterium. Bei den direkten Kosten eines Anbieters (Vermögensverwalterkosten) sollte sehr genau geprüft werden, welche Dienstleistungen in dem pauschalen Angebot enthalten sind. Transaktionskosten, Depotbankgebühren, Supportumfang (Telefon, Chat und E-Mail) und die Fondskosten können sehr unterschiedlich ausfallen. Am Ende haben die direkten Kosten eines Anbieters und die Fondskosten, die nur ein wirklich unabhängiger Robo-Advisor optimieren kann, einen entscheidenden Einfluss auf die Rendite.

Einen guten unabhängigen Vergleich der unterschiedlichen Robo-Advisor gibt es auf Finanztip.de und Brokervergleich.de

Regulierung von Robo-Advisors

Je nachdem, welche Dienstleistungen ein Robo-Advisor anbietet, ist er einer unterschiedlichen Regulierung unterstellt. Robo-Advisor, die Finanzportfolioverwaltung betreiben, die also alle Wertpapiertransaktionen im Rahmen des abgeschlossenen Vermögensverwaltungsvertrages eigenständig für den Anleger übernehmen, benötigen eine Erlaubnis der BaFin / Bundesbank.

Robo-Advisor, die als Anlagevermittler agieren, führen das Rebalancing automatisch mit der Partnerbank durch. Für den Austausch von Fonds geben sie Handlungsvorschläge ab, die Umsetzungszustimmung erteilt der Anleger. Solche Robo-Advisor benötigen eine Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer und werden zusätzlich von der Revision ihrer Partnerbank geprüft, die wiederum von der Bundesbank / BaFin beaufsichtigt wird.

Die Sicherheit des Vermögens, das über Robo-Advisor investiert wird, ist durch den rechtlichen Rahmen in Deutschland garantiert, und zwar in unbegrenzter Höhe. Bei den Einlagen handelt es sich um Sondervermögen, die bei den Partnerbanken der Robo-Advisor hinterlegt sind. Der Robo-Advisor und die Partner Bank dürfen zu keinem Zeitpunkt auf das Vermögen zugreifen.

Würden also im schlimmsten Falle der Robo-Advisor, die Partnerbank oder auch die Fondsgesellschaft in Insolvenz gehen, wäre selbst in diesem extremen Szenario das investierte Vermögen des Anlegers davon nicht gefährdet.







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