Fünf Roboter Figuren. Roboadvisor sind jedoch keine echten Roboter.
 
 

Was ist ein Roboadvisor (bzw. Robo Advice)

Robo-Advisor vereinen digitale Anlageberatung mit automatisierter Vermögensverwaltung. Während klassische Anlageberatung und traditionelle Vermögensverwaltung in Deutschland zu den Dienstleistungen von Banken, Versicherungen und Vermögensverwaltern gehören, bieten Robo-Advisor online diese moderne Form der Geldanlage. Die meisten Robo-Advisor überzeugen neben der automatisierten Beratung und Verwaltung mit einem starken Support (Chat, Telefon, E-Mail), der den Anleger bei Bedarf in jeder Phase begleitet. In Deutschland gibt es immer mehr Robo-Advisor, die dem Kunden eine möglichst einfache Geldanlage bieten.

Klassische Anlageberater und Vermögensverwalter treffen die Empfehlungen und Entscheidungen bezüglich der Geldanlage ihrer Kunden, nachdem sie in einem Beratungsgespräch die Wünsche und Risikoneigung ihrer Kunden abgefragt haben. Dazu gehört auch die Frage, welches Kapital überhaupt vorhanden ist, wie viel vom monatlichen Gehalt übrig bleibt und welche Sparziele erreicht werden sollen. Bei der anschließenden Produktempfehlung haben viele Berater und Vermögensverwalter den Anreiz, eher zu teure Produkte zu empfehlen, weil sie z.B. hauseigene Finanzprodukte oder Partnerprodukte einsetzen (müssen) und damit ihre Wertschöpfungskette verlängern.

Im Gegensatz dazu basiert die Anlageentscheidung bei einem Robo-Advisor auf einer emotionslosen Technologie, die in einer objektiven Beratung Kenntnisse, Erfahrungen und die Risikoneigung des Kunden abfragt und analysiert. Auf dieser Basis wird bei allen unabhängigen Robo-Advisor eine interessenkonfliktfreie Investitions-Empfehlung ausgesprochen. Erst mit Zustimmung des Kunden wird die Anlagestrategie umgesetzt. Dabei entscheidet jeder selbst ob die voraussichtliche Rendite zur eigenen Finanzsituation und zu den Anlagezielen passt.

Anlageprozess eines Robo-Advisors

Die Grafik zeigt den Anlageprozess eines Robo-Advisors in 6 Schritten.

So funktioniert die Geldanlage

Die Dienstleistung eines Robo-Advisors für die Geld-Anlage lässt sich in drei Teilbereiche gliedern.

1. Informationsbereitstellung durch Robo-Advisor

Zunächst werden einem Anleger Informationen zum Dienstleistungsangebot und zur Anlagephilosophie auf der Website eines Robo-Advisors bereitgestellt. Oft wird dieses Angebot durch verschiedenen Zusatzservices wie Online-Kurse, Vergleichsrechner oder weitere Self-Services ergänzt.

2. Digitales Beratungs- und Planungs-Angebot

In der zweiten Phase durchläuft der Anleger bei einem Robo-Advisor eine Anlageberatung, in der seine Erfahrungen, Vermögenssituation und Risikomentalität erfragt wird. So wird festgestellt, welche Portfoliozusammensetzung für die persönliche Risikoneigung am besten zu ihm passt. Auf Basis der Antworten spricht der Robo-Advisor eine Anlageempfehlung aus. Je nach Risikoneigung empfiehlt der Robo-Advisor eine für den Anleger passende Anlagestrategie.

In dem anschließenden Planungsabschnitt simuliert der Anleger unter Berücksichtigung der Robo-Advisor-Empfehlung die potenzielle Entwicklung seines Kapitals für die Zukunft. Dabei lassen sich zum Beispiel die Sparbeiträge, die Dauer der Geldanlage oder die Sparsumme noch ändern. Nach abgeschlossener Planung werden die Rahmendaten automatisiert in einen Vertrag übernommen. Nach dem digitalen Vertragsabschluss identifiziert sich ein Anleger online per Video-Verfahren, mit seinem neuen Personalausweis oder traditionell am Postschalter.

3. Teilautomatisierte Vermögensverwaltung

In der dritten Phase wird bei einem Robo-Advisor die vertraglich beauftragte Geldanlage zum Beispiel als Fondssparplan umgesetzt und im persönlichen Bereich des Anlegers transparent dargestellt. Zu jeder Zeit hat ein Anleger die Möglichkeit, seine Geldanlage zu verändern: Anleger können Ein- oder Auszahlungen vornehmen oder die Sparrate anpassen. Sparen mit Robo Advisiorn ist deshalb eine der flexibelsten Möglichkeiten, wenn Sie Geld anlegen möchten

Der Robo-Advisor kümmert sich um alles andere wie Depot- und Kontoführung, ausführliche Berichte zur Wertentwicklung, Steueroptimierung, Rebalancing, Fondsauswahl und -überwachung usw. Der Anleger braucht sich um nichts weiter zu kümmern, profitiert mit seinem Investment aber vom Wissen und den Strategien absoluter Finanzprofis.

Vorteile von Robo-Advice

Die großen Vorteile von Robo-Advice (oft auch Robo-Advisory genannt) gegenüber der klassischen Anlageberatung und privaten Vermögensverwaltung, sind die geringen Kosten und in vielen Fällen die Unabhängigkeit. Die von Robo-Advisor angebotenen Finanzprodukte sind überwiegend ETFs. Die Gebühren von ETFs sind fast immer wesentlich günstiger als die Finanzprodukte, die von Anlageberatern und traditionellen Vermögensverwaltern empfohlen werden.

Finanzberater von z.B. Banken bieten darüber hinaus oft hauseigene Produkte an. Daher ist die Unabhängigkeit einer solchen Beratung beschränkt. Unabhängige Robo-Advisor wählen die verwendeten Finanzprodukte allein auf Basis der Produktqualität aus und der erwarteten Rendite für den Anleger aus. Bei der Qualität spielen auch niedrige Fondskosten, eine möglichst geringe Tracking Difference, die Steueroptimierung und die Abbildungsgenauigkeit von Börsenindizes eine entscheidende Rolle. Direkte oder indirekte Provisionsvergütungen von Produktanbietern nehmen unabhängige Robo-Advisor nicht an und können damit einen unabhängigen Best-in-Class-Ansatz verfolgen, also tatsächlich nur die besten Investments für den Anleger und seine finanziellen Wünsche herausfiltern.

Die Vorteile von Robo-Advisory gegenüber einer eigenständig durchgeführten Geldanlage sind insbesondere die Zeitersparnis und sehr oft ein Kostenvorteil, der am Ende zu einer höheren Rendite der Geldanlage führt.

Denn die digitale Vermögensberatung durch Robo Advisor leistet, was ein einzelner Anleger nicht selbst schafft: Ein breit diversifiziertes Allokationskonzept zu verfolgen und eine Produktübersetzung durch die Analyse einzelner Wertpapiere vorzunehmen, ist aufwendig. Viele Privatanleger haben nicht die Zeit oder bringen nicht die Disziplin auf, ihre Portfolios regelmäßig auf das Allokationsziel, die Produktqualität und ihre Risikoeinstellung anzupassen. In einer wissenschaftlichen Studie von Brad M. Barber (University of California, Davis) und Terrance Odean (University of California, Berkeley) wurden diese und weitere Gründe genannt, die dazu führen, dass Privatanleger mit ihren Investments durchschnittlich schlechter als ETFs auf Aktienindizes abschneiden.

Anleger, die eigenständig einen Fondssparplan haben oder regelmäßig ETFs kaufen, sollten die normalerweise üblichen Transaktionskosten mit den pauschalen Gebühren eines Robo-Advisors vergleichen. In vielen Fällen ergibt sich schon an dieser Stelle ein Kostenvorteil zu Gunsten eines Robo-Advisors für den Anleger. Hinzu kommt: Anleger, die Roboadvisory für ihre Geldanlage nutzen, sparen jede Menge Zeit, weil der Robo-Advisor mit seinem ausführlichen Wissen über die Kapitalmärkte und Börsen weltweit ein detailliertes Anlagekonzept ausarbeitet.

Weitere Vorteile von Robo-Advisors sind die geringen Mindestanlagebeträge sowie die Transparenz bei den Gebühren und der Anlagestrategie. Durch die Digitalisierung der Vermögensverwaltung haben heute auch Anleger mit kleinen Vermögen die Möglichkeit ihr Geld individuell, professionell und kostengünstig verwalten zu lassen - mit dem Wissen von Anlageprofis.

Anlagestrategien von Robo-Advisors

Die Anlagestrategien von Robo-Advisors lassen sich in zwei unterschiedliche Ansätze einteilen:

Passive Risikosteuerung/ Buy and Hold (B&H)

B&H bedeutet im Allgemeinen, in ein Portfolio zu investieren dessen Zusammensetzung über den Anlagezeitraum nicht verändert wird.

Passive Robo-Advisor weichen von dieser Strategie ab, indem sie die Gewichtungen der einzelnen Anlageklassen entsprechend der Kursentwicklung anpassen. Hier spricht man von Rebalancing. Durchgeführt wird das Rebalancing z.B. wenn sich der Aktienanteil im Portfolio besser entwickelt als der Anleiheanteil. Das Portfolio wird in diesem Fall umgeschichtet, indem Aktienfonds verkauft und Anleihefonds gekauft werden. Die ursprüngliche Risikogewichtung wird so wieder erreicht.

Darüber hinaus verfolgen passive Robo-Advisors eine sehr langfristige Strategie wie z.B. die Anpassung des Portfolios an die Wertschöpfung in der Welt. Diese Anlagestrategien führen unregelmäßig zu Anpassungen im Portfolio.

Die Finanzprodukte, in die der passive Robo-Advisor das verwaltete Vermögen investiert, werden regelmäßig hinsichtlich ihrer Qualität überprüft, so dass nur die besten Produkte ihrer Klasse für Investitionen in Betracht gezogen werden. Zudem ist die Anlagestrategie von Robo-Advisors oft darauf abgestimmt, steuerliche Handlungsspielräume zu nutzen.

Hintergrund dieser Anlagestrategie ist es, Transaktionskosten zu minimieren und dadurch die Rendite zu steigern. Aktien- und Anleihenmärkte sind in der Regel sehr informationseffizient: Es ist daher sehr schwer, anhand neuer Informationen Vorteile in Form einer überdurchschnittlichen Rendite zu erreichen. Robo-Advisor mit passiver Strategie orientieren sich also daran, die gute Entwicklung des Geamtmarktes an den Anleger weiterzugeben.

Aktive Risikosteuerung

Durch einen Algorithmus und/ oder durch menschliche Intuition versucht ein aktiver Robo-Advisor zukünftige Kursentwicklung oder lediglich Kursschwankungen zu prognostizieren. Der Risikogehalt eines Portfolios wird entsprechend der Risikoneigung eines Investors aufgrund der Prognose zukünftiger Kursentwicklungen angepasst. Steigt die simulierte Wahrscheinlichkeit eines Verlustrisikos aufgrund der aktuellen Marktlage im Portfolio, so wird durch den Robo-Advisor automatisch eine Umschichtung im Portfolio vorgenommen. Die Prognosefähigkeit einer aktiven Risikosteuerungssystematik muss den Verlust, der aus den Transaktionskosten und den Verlust aus dem Steuerstundungseffekt der bei passiven Strategien entsteht, überkompensieren.

Robo-Advisory im Praxistest

Bei der Auswahl eines Robo-Advisors sollten mehrere Kriterien beachtet werden. Neben der Transparenz der Angebotsdarstellung, der Anlagestrategie (aktiv oder passiv) sind insbesondere die Kosten ein wichtiges Kriterium. Bei den direkten Kosten eines Anbieters von Robo-Advisory (Vermögensverwalterkosten) sollte sehr genau geprüft werden, welche Dienstleistungen in dem pauschalen Angebot enthalten sind. Transaktionskosten, Depotbankgebühren, Supportumfang (Telefon, Chat und E-Mail) und die Fondskosten können sehr unterschiedlich ausfallen. Am Ende haben die direkten Kosten eines Anbieters und die Fondskosten, die nur ein wirklich unabhängiger Robo-Advisor optimieren kann, einen entscheidenden Einfluss auf die Rendite.

Einen guten unabhängigen Vergleich der unterschiedlichen Robo-Advisor gibt es auf Geldanlage-digital.de, Finanztip.de und Brokervergleich.de

Anlagevermittlung: digital und sicher

Je nachdem, welche Dienstleistungen ein Robo-Advisor anbietet, ist er einer unterschiedlichen Regulierung unterstellt. Robo-Advisor, die Finanzportfolioverwaltung betreiben, die also alle Wertpapiertransaktionen im Rahmen des abgeschlossenen Vermögensverwaltungsvertrages eigenständig für den Anleger übernehmen, benötigen für ihre Geschäfte eine Erlaubnis der BaFin / Bundesbank.

Robo-Advisor, die als Anlagevermittler agieren, führen das Rebalancing automatisch mit der Partnerbank durch. Für den Austausch von Fonds geben sie Handlungsvorschläge ab, die Umsetzungszustimmung erteilt der Anleger. Ein Robo-Advisor benötigt eine Erlaubnis der Industrie- und Handelskammer und wird zusätzlich von der Revision ihrer Partnerbank geprüft, die wiederum von der Bundesbank / BaFin beaufsichtigt wird.

Die Sicherheit des Vermögens, das mittels Robo-Advisor in Deutschland investiert wird, ist durch den rechtlichen Rahmen in Deutschland garantiert, und zwar in unbegrenzter Höhe. Bei den Einlagen handelt es sich um Sondervermögen, die bei den Partnerbanken der Robo-Advisor hinterlegt sind. Der Robo-Advisor und die Partner Bank dürfen zu keinem Zeitpunkt auf das Vermögen zugreifen.

Würden also im schlimmsten Falle der Robo-Advisor, die Partnerbank oder auch die Fondsgesellschaft in Insolvenz gehen, wäre selbst in diesem extremen Szenario das investierte Vermögen des Anlegers davon nicht betroffen.

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