7 typische Fehler beim Investieren – so vermeidest Du teure Irrtümer
1. Beim Investieren alles auf eine Karte setzen
Wichtig beim Investieren ist ein mittel- und langfristiger Wertzuwachs bei einem möglichst geringen Risiko. Wer nur in eine bestimmte Aktie, eine bestimmte Branche oder ein bestimmtes Land investiert, riskiert hohe Kursschwankungen.
An den Börsen ist es normal, dass es zwischendurch schwächere Marktphasen gibt. Anlegerinnen und Anleger, die einseitig investieren, sind dann oft besonders stark betroffen. Mit einer breiten Streuung lassen sich die negativen Auswirkungen solcher Phasen dagegen beschränken.
Denn von einer wirtschaftlichen Schwächephase (Rezession) sind nicht alle Branchen oder Länder gleichermaßen betroffen. Wer weltweit gestreut investiert, hat ein deutlich geringeres Risiko als mit der Aktie eines einzelnen Unternehmens.
Expertinnen und Experten empfehlen ausdrücklich eine möglichst breit diversifizierte Geldanlage als Schutz gegen solch teure Irrtümer. Es geht also um gezielte Risikominimierung.
2. Glauben, dass Du dank eines Tipps „schnell reich werden“ kannst
Es gibt viele vermeintliche „Geheimtipps“ für die Geldanlage: Aktien, die man jetzt sofort kaufen soll, weil der Kurs quasi über Nacht steigen wird. „Schnell reich werden – in wenigen Stunden oder Tagen“ wird dabei oft suggeriert.
Der plötzliche Aufstieg einer Aktie (oder eines anderen Wertpapiers) werde in jedem Fall und ganz schnell kommen, so die Behauptung. Allen Expertinnen und Exprten, Analysten oder Fondsmanagern müsste demnach entgangen sein, dass ausgerechnet diese eine Aktie bald eine enorme Entwicklung hinlegt. Mit systematischem Investieren zum Vermögensaufbau hat das nichts zu tun. Nicht selten verfolgen die Urheber solcher „Geheimtipps“ eigene finanzielle Ziele.
Das betrifft nicht nur einzelne Aktien, sondern auch andere Anlageklassen. So kommt es vor, dass eine bislang wenig bekannte Kryptowährung plötzlich als “sicherer Geheimtipp” empfohlen wird. Mit einem extrem hohen Risiko für Anlegerinnen und Anleger.
3. Die Ziele aus dem Blick verlieren
Beim Investieren geht es oft um ein ganz konkretes Ziel: Die Anzahlung für eine Immobilie, eine größere Reise oder Auszeit finanzieren, Geld für ein neues Auto oder eine neue Küche zurücklegen, die Kinder absichern oder Vermögensbildung für die eigene Zukunft. Dabei ist es sinnvoll, eine Reserve als Notgroschen einzuplanen – falls die Waschmaschine mal kaputtgeht oder eine höhere Nachzahlung droht, zum Beispiel für die Gas- oder Stromrechnung.
Es ergibt Sinn, die eigenen Finanzen auf unterschiedliche Anlageziele aufzuteilen und die Ziele im Blick zu behalten. Anlageziele wie die eigene Altersvorsorge oder die Absicherung der Kinder werden in schwierigen Zeiten oft schnell reduziert.
Doch gerade für langfristige Ziele sind Zeit und Zinseszinseffekt die wichtigsten Faktoren, um beim Investieren mehr aus dem Geld zu machen. Das gilt es, die Ziele im Blick zu behalten und in schwierigen Phasen lieber Reserve und Notgroschen anzutasten als die langfristigen Anlageziele.
Beispiele für den Zinseszinseffekt
4. Einem Börsentrend hinterherlaufen
Es klingt erst einmal verlockend: Am besten jene Aktien kaufen, die in den letzten Monaten/Jahren besonders gut gelaufen sind. Oder auch: In Länder oder Branchen zu investieren, die überdurchschnittlich erfolgreich waren. Doch das ist angesichts der ständigen Veränderung auf den Wirtschafts- und Kapitalmärkten durchaus gefährlich.
Oft hängen Kurs- oder Ertragssteigerungen mit einer spezifischen Situation zusammen. Das heißt nicht, dass sich diese Aktie/Branche bzw. ein Länderindex auch in der nächsten Zeit überdurchschnittlich entwickeln wird. Die größte Gefahr dabei: Anlegerinnen und Anleger, die einem Börsentrend folgen, könnten bei einem historisch hohen Kurs Aktien kaufen und dann erleben wie der Kurs wieder sinkt.
- Beispiel dafür ist etwa die Aktie des Impfstoff-Herstellers BionTech, die im Herbst 2021 ihren Höchststand erreichte und rund ein Jahr später weniger als die Hälfte wert war.
Wer Börsentrends beobachtet, konnte beispielsweise 2022 feststellen, dass angesichts der hohen Energiepreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine Ölunternehmen einen sehr positiven Trend vorweisen konnten. Ein solcher kurzfristiger Trend bedeutet aber noch lange keine gute Perspektive. Angesichts des geplanten Ausbaus von Erneuerbaren Energien und dem Abschied von fossilen Energieträgern aus Gründen des Klimaschutzes ist ein solches Investment mittel- und langfristig möglicherweise weniger ratsam.
5. Durch ständiges Handeln viel zu hohe Kosten verursachen
Gerade Privatanlegerinnen und -anleger verlieren unnötig viel Geld, weil sie in relativ kurzen Abständen einzelne Aktien kaufen und verkaufen. Dadurch entstehen hohe Kosten. Für jede einzelne Transaktion werden in der Regel Gebühren fällig, die den Erfolg des Investments empfindlich schmälern. Zudem gelingt es Anlegerinnen und Anlegern und selbst Fondsmanagern so nur extrem selten, beim Kaufen oder Verkaufen von Aktien die weitere Entwicklung der Kurse vorherzusagen.
Studien belegen diesen negativen Effekt beim Investieren. So zeigen Brad M. Barber und Terrance Odean, Finanzprofessoren an der Universität Berkeley:
Gerade jene Anleger und Investmentfonds, die am meisten handeln, erzielen die schlechtesten Renditen.“
6. Auf das perfekte Timing warten
Oft glauben Anlegerinnen und Anleger, mit dem perfekten Timing des Kaufs bei ihrer Geldanlage einen positiven Effekt erreichen zu können. Dabei wird die Dynamik der Märkte deutlich unterschätzt. Gerade die Aktienmärkte reagieren in wenigen Augenblicken auf unvorhersehbare Ereignisse. Wer beim Investieren auf den perfekten Zeitpunkt wartet, verpasst so oft die besten Börsentage und verringert damit seine Rendite deutlich.
Das belegt auch eine ausführliche Untersuchung: Wer über einen Anlagezeitraum von 10 Jahren nur die besten zehn Börsentage im Jahrzehnt verpasst, verliert den Großteil der Rendite. Denn das Problem beim Warten auf das perfekte Timing: Die besten Börsentage im Voraus zu kennen, ist so gut wie unmöglich.
Ausführliche Untersuchung zu Market Timing
Hinzu kommt: Neben Kursentwicklungen tragen die Erträge (also Dividenden bei Aktien und Zinszahlungen bei Anleihen) zum Erfolg einer Geldanlage bei. Wer auf den vermeintlich besten Einstiegsmoment wartet, profitiert logischerweise nicht von diesen Erträgen.
7. Mit Emotionen investieren
Du hast eine „Lieblings-Aktie“? Vermutlich von einem Unternehmen, das Dir sympathisch ist, Dich an etwas Schönes erinnert oder dessen Produkte Du besonders gerne magst? Dann investierst Du nach Gefühl – lässt Dich sich von Emotionen und Sympathien leiten.
Sowas kann man machen. Aber in den allermeisten Fällen wirst Du so eine deutlich schlechtere Rendite erzielen und deutlich risikoreicher investieren als mit einem breit gestreuten ETF-Portfolio. Die Entscheidung für diese „Lieblings-Aktie“ hat ja nicht wirklich mit Deinen persönlichen Zielen wie Vermögensbildung oder Absicherung fürs Alter zu tun.
Eine nüchterne Anlagestrategie nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten ist hier sicher hilfreicher als sich von der Sympathie für ein bestimmtes Unternehmen oder Produkt leiten zu lassen.
So funktionieren ETFs/Indexfonds
Mit Ruhe investieren
Der größte Fehler ist allerdings, gar nicht zu investieren.
Dann wirst Du die finanziellen Ziele für Dich und Deine Familie wohl kaum erreichen. Sowohl Kursentwicklung als auch die Beteiligung an ordentlichen Erträgen (wie Dividenden bei Aktien oder Zinszahlungen für Anleihen) sind die wichtigsten Bausteine für den Vermögenszuwachs.
Das solltest Du beim Investieren beachten
- Lass Dich beim Investieren nicht von Emotionen oder persönlichen Vorlieben leiten.
- Dass es Kursschwankungen gibt, ist normal. Schwächephasen können dabei ein günstiger Zeitpunkt sein, um zusätzliches Geld zu investieren.
- Verfolge in aller Ruhe Deine finanziellen Ziele. Dabei sind Langfristigkeit und der Zinseszinseffekt zentrale Faktoren für die Wertentwicklung.
- Bleib möglichst breit investiert, anstatt durch schnelle Verkaufs- oder Kaufentscheidungen unnötig hohe Kosten oder Verluste zu verursachen.
- Eine gute Geldanlage sollte optimal zu Deiner persönlichen Situation und Deinen Zielen passen und dabei Risiken gezielt niedrig halten. Wenn Du es noch nicht weißt: Bei growney findest Du in wenigen Minuten heraus, welcher Anlegertyp Du bist.
Der Wert Deiner Kapitalmarktanlage kann fallen oder steigen.
