Frau mit Handy in der Hängematte; Ist aktives Investieren oder passives Investieren in der Krise besser?

Ist aktives Investieren in der Krise besser?

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4. November 2022 // Geldanlage

Die aktuelle Entwicklung an den Kapitalmärkten ist vor allem von starker Volatilität geprägt: Russlands Angriff auf die Ukraine, die hohe Inflation und starke Zinserhöhungen der Zentralbanken – zuletzt haben sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die US-Notenbank Fed die Leitzinsen um 0,75 Prozentpunkte erhöht – machen sich an den Märkten deutlich bemerkbar. Anleger, die auf aktives Investieren setzen, erhoffen sich gerade in diesen Zeiten eine bessere Rendite. Schließlich werden für aktive Investmentfonds bewusst Wertpapiere ausgesucht, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Doch funktioniert das wirklich? Oder ist passives Investieren besser?

Es ist eine ewige Auseinandersetzung unterschiedlicher Investmentstrategien: Ist aktives Investieren besser – also die bewusste Entscheidung für bestimmte Wertpapiere – oder passives Investieren, also die breite Abbildung einer Marktentwicklung durch Indexfonds.

Das Versprechen aktiver Investmentfonds

Aktive Fondsmanager sind überzeugt: Sie liefern bessere Ergebnisse als der Gesamtmarkt. Sie setzen darauf, dass sie früher als andere Investoren besondere Chancen oder Risiken von Einzeltiteln erkennen und das Portfolio ihres aktiven Investmentfonds entsprechend umschichten. So soll ein Vorteil gegenüber der gesamten Marktentwicklung entstehen. Problem: Dazu müssten die Fondsmanager entweder einen Wissensvorsprung oder enormes Glück haben, um tatsächlich jedes Mal das richtige Markettiming zu treffen. Immerhin stellen aktive Fonds in Aussicht, dass sie gerade in turbulenten Börsenzeiten durch ihre Entscheidungen eine bessere Performance erreichen.

Für die Arbeit der Fondsmanager und ihrer Analyse-Teams entstehen natürlich deutlich höhere Kosten, die zulasten der Anleger gehen.

Langfristig besser passiv Investieren mit Indexfonds?

Für passives Investieren spricht hingegen: Kaum ein Fondsmanager hat heutzutage noch Informationsvorsprung gegenüber dem Markt. In der digitalisierten Welt werden kursrelevante Informationen binnen Sekunden weltweit ausgespielt. Indexfonds (ETFs) bilden die vielen unterschiedlichen Wertpapiere in ihrer Gesamtheit ab – und das zu deutlich geringeren Kosten als aktive Fondsmanager. Weniger Kosten für ein Investmentprodukt heißt automatisch: deutlich mehr Rendite für die Anleger.

Dabei geht die Idee des passiv Investierens davon aus, dass einzelne Fondsmanager durchaus mal richtig liegen können und eine Kursentwicklung früher als andere erkennen. Doch in anderen Fällen klappt das nicht und dann sind die aktiven Fonds schlechter als der Markt. Wer auf passive Indexfonds (ETFs) setzt, profitiert zu günstigen Konditionen von der Entwicklung des Gesamtmarkts. Das Risiko, dass ein Fondsmanager eine falsche Entscheidung trifft, müssen sie dabei nicht fürchten.

Das sagen Studien über aktives und passives Investieren

Regelmäßig untersuchen die Experten von ScopeExplorer, ob es aktive Investmentfonds tatsächlich schaffen, den Markt zu schlagen. Dazu werden rund 2.000 aktive Fonds mit den Vergleichssegmenten an der Börse verglichen. Das Ergebnis für das vergangene Jahr - inklusive der schwächeren Marktphase in der zweiten Jahreshälfte 2021 - ist dabei ernüchternd:

  • „Im Vergleich zum Vorjahr fällt das Ergebnis deutlich schwächer aus“, heißt es in der Analyse.

  • Den Vergleichsindex zu schlagen, gelang demnach „nur noch 29,1%“ der aktiven Investmentfonds. Das ist nicht mal jeder dritte.

  • Insbesondere in den Segmenten, in denen am meisten Vermögen verwaltet wird (nämlich weltweite Fonds und Fonds, die sich auf Nordamerika konzentrieren), waren die Ergebnisse besonders schlecht:
    Bei den Nordamerika-Fonds erreichten nur 26,4 % eine bessere Performance als der Vergleichsindex – das ist nur rund jeder Vierte.
    Bei den weltweiten Investmentfonds war das Ergebnis noch schlechter: 13,6 % waren besser als der Index, also nicht mal einer von sieben.

  • Hinzu kommt: In der mittelfristigen Betrachtung über fünf Jahre, schneiden die aktiven Investmentfonds noch schlechter ab. Statt 29,1 % schlagen dann nur noch 22,6 % der von Fondsmanagern betreuten Fonds den Markt.

Tabelle zeigt Vergleich aktive Investmentfonds und Vergleichsindex (ETF-Portfolio)

Die Analyse scheint also die Annahme der Verfechter von passiv Investieren zu bestätigen: Fondsmanager können vielleicht zufällig oder kurzzeitig den Markt schlagen, auf Dauer und über die Jahre gelingt dies aber nur einer sehr kleinen Minderheit.

Beispiel: Aktives Fondsmanagement ohne gute Performance

Darüber hinaus gibt es jede Menge Themenfonds, die sich auf einen speziellen Bereich fokussieren. Dabei gilt: Je einseitiger das Portfolio des Investmentfonds, umso größer ist auch das Kursrisiko. Das zeigt sich beispielhaft am Aktienfonds eines Prominenten: Im vergangenen Jahr hatte Tech-Investor Frank Thelen, bekannt vor allem aus der TV-Sow Höhle der Löwen, den Fonds 10xDNA Disruptive Technologies aufgelegt.

Der alleinige Fokus auf Technologiewerte kommt die Anleger in der aktuellen Börsenphase aber teuer zu stehen. Im Sommer gestand Thelen offen ein: „Die Performance ist beschissen”. Von Jahresbeginn bis Ende September verlor ein Investment in diesem Fonds mehr als 40 % an Wert. Und obwohl das Versprechen aktiver Fondsmanager ist, die künftige Wertentwicklung vorwegzunehmen, sagte Thelen weiter: „Keiner kann Aktienkurse vorhersagen.“

Häufiges Problem dieser aktiven Fonds: Ist die Performance schlechter als der Vergleichsindex oder eben durchschnittlich, fallen trotzdem die hohen jährlichen Kosten für das Fondsmanagement an. Beim Prominentenfonds von Frank Thelen sind dies 1,86 % p.a. Zusätzlich wird von jedem Investment ein Ausgabeaufschlag von 3 % fällig.

Unter den aktiven Aktienfonds ist er damit noch lange nicht Spitzenreiter. Üblich sind oft 4 bis 5 % Ausgabeaufschlag und jährliche Kosten von mehr als 3 %. Zum Vergleich: Bei einer growney-Anlagestrategie sind es maximal 0,91 % p.a., einen Ausgabeaufschlag gibt es nicht.

Nimmt man eine gleiche Performance an, z.B. durchschnittlich 6,5 % p.a., so wirkt sich der Kostenfaktor erheblich auf das gesamte Investment aus, insbesondere durch den Zinseszinseffekt. Denn je weniger Kosten für Ausgabeaufschlag und Verwaltung anfallen, umso mehr Geld kann in den Folgejahren eine Rendite erzielen.

Bei € 12.500 Anfangsbetrag und 25 Jahren Anlagedauer ergibt sich so ein Unterschied von mehr als € 20.000, wenn die gleiche durchschnittliche Renditeentwicklung angenommen wird. Die growney-Anlagestrategie würde dann bei maximalen Kosten knapp € 36.200 Ertrag bringen, aktive Investmentfonds (mit 5 % Ausgabeaufschlag und 3,0 % Kosten p.a.) hingegen nur knapp € 15.600.

Grafik zeigt Kosten für aktive Fondsmanager beim Investieren

Vergleich: Aktiver Investmentfonds vs. ETF-Portfolio in 2022

Doch in einem eher unruhigen Börsenumfeld – wie aktuell zu beobachten – müssten aktive Fondsmanager nach ihren eigenen Ansprüchen doch eigentlich die bessere Performance für ihre Anleger erzielen. Schließlich ist es ihr Anspruch, in jeder Marktphase Titel zu identifizieren, die sich besser entwickeln als der Gesamtmarkt. Und z.B. in einer Krise in jenen Titeln weniger (oder gar nicht mehr) investiert zu sein, die sich besonders stark negativ entwickeln.

Für einen konkreten Vergleich betrachten wir hierzu einen weltweit investierenden Fonds des Vermögensverwalters Flossbach von Storch. Mit einem Investment von etwa 24 Milliarden Euro gehört der Fonds „Flossbach von Storch SICAV - Multiple Opportunities“ (LU0323578657) zu den größten und wichtigsten Dachfonds in Deutschland.

Dabei gilt es für den Vergleich mit einem passiven Investment, also einem ETF-Portfolio zu beachten:

  • Der Investmentfonds ist kein reiner Aktienfonds, investiert derzeit zu rund 74 % in Aktien, zu 15 % in Edelmetalle, zu 4 % in Anleihen und knapp 7 % in Kassenbestände. Gemäß Vorgaben des Fondsmanagements soll der Aktienanteil mindestens 25 % betragen.
  • Der aktive Fonds ist weltweit angelegt.
  • Außerdem investiert der Fonds nach ESG-Gesichtspunkten, erfüllt also Nachhaltigkeitskriterien.
  • Als Kostenkomponente kommt neben Ausgabeaufschlag (bis zu 5,0 %) und den laufenden Kosten (1,62 % p.a.) evtl. noch eine erfolgsabhängige Komponente hinzu.

Um aktives Investieren und passives Investieren fair zu vergleichen, muss also das Vergleichs-Investment mit ETFs ähnliche Kriterien aufweisen, also

  • einen Aktienanteil von 40-75 % haben,
  • weltweit investieren
  • und sich an ESG-Kriterien orientieren.

Das ist beispielsweise bei den growney-Anlagestrategien growgreen70 oder growgreen50 der Fall. Hierbei werden rund 550 Aktien aus über 40 Ländern nach Nachhaltigkeitskriterien über ETFs abgebildet. 30 % bzw. 50 % des Investments werden in Anleihe-ETFs angelegt. Durch die passive Anlagestrategie sind die Kosten deutlich geringer, sie liegen bei max. 0,88 % p.a.

Details zur Nachhaltigkeitsstrategie von growney

Tabelle mit Fondsvergleich aktives und passives Investieren, Kosten

Die Strategien besteht erst seit dem 10. September 2020. Für den Vergleich werden deshalb zwei unterschiedliche Zeiträume gewählt:

  • mittelfristig über 2 Jahre, also vom 1. Oktober 2020 bis 30.09.2022
  • kurzfristig vom 01.01.2022 bis 30.09.2022 – also eine Zeit, die durch eine Schwächephase an den Märkten gekennzeichnet ist.

Gelingt es dem aktiven Fondsmanagement erfolgreich, Wertpapiere zu identifizieren, die sich besser als der Markt entwickeln, so müsste der aktive Aktienfonds sich zumindest in der kurzfristigen Betrachtung seit Jahresbeginn deutlich besser entwickelt haben.

Doch die Performance zeigt für dieses Jahr keine großen Unterschiede. Für Anleger, die seit dem 1. Oktober 2020 investiert sind, ergibt sich dagegen eine klare Differenz: für den aktiven Investmentfonds ergibt sich ein Minus, die passiven Anlagestrategien von growney erzielten dagegen beide eine positive Performance.

Tabelle zeigt Performance Aktienfonds in der Börsenkrise, Vergleich

Zur vollständigen Wertentwicklung der growney-Strategien

In diesem Beispiel ist es dem Fondsmanagement also offenbar nicht gelungen, den Markt zu schlagen und für die Kunden eine bessere Performance mit dem Investment zu erzielen. Die hohen Kosten für Fondsmanager fallen für die Anleger aber trotzdem an.

Kein Wunder also, dass passives Investieren, etwa mit Indexfonds, immer beliebter wird. Wer sich für ein von Experten zusammengestelltes ETF-Portfolio entscheidet, kann sich dabei genauso zurücklehnen wie bei einem Aktienfonds. Regelmäßig wird das Portfolio überprüft und angepasst, beispielsweise wenn es einen besseren (oder günstigeren) ETF gibt. Die Anleger selbst müssen sich also um Nichts kümmern.

Zentral für die Auswahl der Finanzinstrumente sind dabei nicht individuelle Entscheidungen eines Fondsmanagers, sondern die ständige Überprüfung nach einem klaren Kriterienkatalog, der auf wissenschaftlicher Expertise basiert. growney beispielsweise legt diese Kriterien der ETF-Auswahl ganz transparent offen und begründet auch für jeden einzelnen ETF, warum dieser für das Portfolio ausgewählt wird.



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