Hand mit Dollar-Scheinen; Euro-Kurs - Warum unsere Währung gerade schwächelt

Euro-Kurs: Warum unsere Währung gerade schwächelt

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26. November 2021 // Geldanlage

Anleger weltweit schauen derzeit immer wieder überrascht auf den Euro-Dollar-Wechselkurs: Das Verhältnis verändert sich extrem stark. Allein seit Jahresbeginn hat der Euro-Kurs um mehr als 9,1 Prozent nachgegeben: Stand die Währung im Januar noch bei 1,2338 Dollar für einen Euro, so gab es am Mittwoch (24.11.2021) gerade noch 1,1202 Dollar für den Euro. Was ist die Ursache für diese Schwankungen beim Euro-Dollar-Kurs?

Zunächst einmal sind Schwankungen beim Euro-Dollar-Kurs gar nichts Ungewöhnliches. Das Euro-Dollar-Verhältnis an den Devisenmärkten ist stark von der unterschiedlichen Entwicklung der Wirtschaft und der Finanz- bzw. Währungspolitik in Europa und in den USA abhängig.

So erklärt sich auch, dass der Euro-Wert gegenüber dem Jahresbeginn so deutlich verloren hat.

Was beeinflusst den Euro-Dollar-Wechselkurs?

  • Zinspolitik
    Der größte Faktor ist derzeit die Währungs- und Zinspolitik der jeweiligen Zentralbanken. Die Europäische Zentralbank EZB hält an ihrem Niedrigzins-Kurs fest. Zusätzlich interveniert sie auf den Märkten, indem sie Anleihen kauft. Im Rahmen ihres Pandemie-Notfall-Plans PEPP hat die EZB dafür 1,85 Billionen Euro bis März 2022 zur Verfügung gestellt.


    Auch die US-Notenbank Fed stellt Geld für solche Anleihenkäufe zur Verfügung: Allein im Oktober intervenierte die US-Zentralbank so mit 120 Milliarden Dollar an den Kapitalmärkten. Doch Monat für Monat soll der Betrag um 15 Milliarden Dollar zurückgefahren werden. Einige US-Währungshüter wollen das beschleunigen und fordern die Reduzierung um 30 Milliarden Dollar pro Monat.

  • Kampf gegen die Inflation

    Hintergrund der unterschiedlichen Ansätze ist die Bekämpfung der Inflation. In den USA ist der Preisanstieg deutlich stärker als in den Euro-Ländern und im Rest der EU. Folglich reagiert die US-Zentralbank bereits, indem sie erst die Anleihenkäufe kontrolliert zurückfährt, ab dem Jahr 2022 könnte es dann tatsächlich die ersten vorsichtigen Zinserhöhungen in den USA geben.


    Die leichten Änderungen der Zinspolitik sollen zur Senkung der Inflationsrate beitragen: Weil eine aktuell sehr hohe Nachfrage – bei weitgehend gleichem Angebot - zu steigenden Preisen führt, würden mit Zinserhöhungen kleine Anreize entstehen, das Geld nicht gleich wieder auszugeben. Auf den Märkten erhofft sich die Zentralbank so Dollar-Anleihen für Anleger interessanter zu machen. Erklärtes Ziel der Fed ist, die Inflation so auf 2 Prozent p.a. einzugrenzen.

    Sieben Tipps gegen Inflation

    Diese Forderungen gibt es auch für die Euro-Länder. Die EZB könnte zur Inflationsbekämpfung die Anleihenkäufe begrenzen oder über die Abkehr von der Minuszins-Politik nachdenken. Der Bundesbank-Präsident Jens Weidmann fordert genau das: „Wir sollten das Risiko einer zu hohen Inflation nicht ignorieren und stattdessen wachsam bleiben. Außerdem sollte die Geldpolitik angesichts der erheblichen Unsicherheit über die Inflationsaussichten nicht zu lange an ihrem derzeit sehr expansiven Kurs festhalten.“


    Weidmann gilt als Kritiker der EZB-Zinspolitik, wird deshalb zum Jahresende seinen Posten als Bundesbank-Präsident niederlegen. Die Europäische Zentralbank macht – anders als in den USA – aber keine Anstalten, ihren Kurs zu ändern: 2022 soll es keine Zinserhöhung geben, sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde.

    Landen Negativzinsen echt bei der EZB?

  • Entwicklung der Wirtschaft

    Auch die Entwicklung der Wirtschaft verläuft in Deutschland und den USA derzeit stark unterschiedlich: Gerade in wirtschaftsstarken Ländern Mitteleuropas wie Deutschland, Österreich, Niederlande oder Belgien wird wieder stark über Corona-Einschränkungen diskutiert – oder es wurden bereits neue Lockdowns verhängt. Das hemmt die Erholung der Wirtschaft, die Konjunktur schwächelt etwas.


    In den USA dagegen sind erneute Corona-Einschränkungen nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Die Wirtschaft erlebt einen Boom. Ein Beispiel dafür sind die aktuellen US-Arbeitslosen-Zahlen: Sie erreichten in dieser Woche den niedrigsten Stand seit dem Jahr 1969. Auch das führt dazu, dass Euro-Werte derzeit weniger stark gefragt sind als Aktien oder Anleihen auf den US-Märkten. Dieses Verhalten der Anleger beeinflusst natürlich auch den Dollar-Euro-Kurs.

Prognose für den Dollar-Euro-Kurs

Die Entwicklung des Euro-Dollar-Wechselkurses dürfte sich fortsetzen: Durch die unterschiedliche Entwicklung in den Euro-Ländern und in den USA lässt der Euro-Wert gegenüber dem Dollar vermutlich weiter moderat nach.

Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank, erwartet hier keine Änderung:

Ich gehe davon aus, dass die geldpolitische Divergenz über die kommenden Wintermonate anhalten wird. Während sich die Wirtschaftsaktivität auch wegen der neu erlassenen Restriktionen in Europa weiter verlangsamt, gibt es dafür in den USA aktuell keine Anzeichen. Diese Divergenz dürfte sich insbesondere im Währungspaar Euro/US-Dollar widerspiegeln.“

Sandra Striffler, Chartanalystin der DZ Bank, urteilt in der Börsen-Zeitung:

Das Währungspaar Euro-Dollar ist gegen Ende des Jahres schwer angeschlagen und fiel hierbei zuletzt im Tief zeitweise bis auf Werte von 1,1226 Dollar. Damit durchbrach das Währungspaar den - in den vergangenen Monaten die Marschrichtung vorgebenden - Abwärtstrendkanal nach unten hin. Geht es nach den charttechnischen Indikatoren sowohl im Tages- als auch im Wochenchart, so muss sich die Gemeinschaftswährung auf weitere Kursverluste einstellen. Ein temporärer Rutsch unter 1,11 Dollar erscheint unter diesen Vorzeichen wahrscheinlich.“

Historische Kurse: Dollarpreis in Euro

Von historischen Dimensionen sind die Euro-Dollar-Wechselkursschwankungen aber weit entfernt.

  • Erst im März 2020 – zu Anfangszeiten der Coronakrise – war der Euro 1,07 Dollar wert – die US-Währung war also noch stärker als derzeit.

  • Vor zwanzig Jahren gab es sogar noch ganz andere Wechselkurse: Mit 0,8252 Dollar/Euro im Jahr 2000 und 0,8384 Dollar/Euro 2001 war der US-Dollar damals sogar deutlich mehr als der Euro wert.

  • In der Finanzkrise von 2008 wurde dagegen der Euro-Höchststand notiert. Der Dollarpreis erreichte ein Tief: 1,599 US-Dollar musste man damals für einen Euro zahlen, weil die US-Märkte damals besonders stark von der Krise getroffen wurden.

Wechselkurs als Grafik; Historische Kurse: Dollarpreis in Euro

Welche Länder haben den Euro und seit wann?

Den Euro gibt es seit dem 1. Januar 1999 – allerdings zunächst nur als Buchungswährung. Euro-Bargeld wurde drei Jahre später eingeführt und löste in den Euro-Ländern die bisherige Landeswährung ab. In Deutschland ersetzte der Euro die D-Mark, 1,95583 DM war damals ein Euro wert.

  • Die Euro-Länder der ersten Stunde waren neben Deutschland: Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Portugal, Italien, Griechenland, Österreich, Irland und Finnland.

  • Mittlerweile sind 19 der 27 EU-Staaten Euro-Länder. Hinzugekommen: Slowenien (2007), Malta (2008), Zypern (2008), Slowakei (2009), Estland (2011), Lettland (2014), Litauen (2015).

  • Alle Euro-Länder gemeinsam bilden die Eurogruppe. Sie umfasst rund 340 Millionen EU-Bürger. Auch Kleinstaaten wie Andorra, Monaco, San Marino und Vatikanstadt nutzen den Euro als Zahlungsmittel.

Und was bedeutet die Euro-Dollar-Entwicklung für uns in Deutschland?

  • Folgen für die Wirtschaft

Für die Wirtschaft in Deutschland muss der aktuelle Euro-Dollar-Kurs gar kein Nachteil sein. Im Gegenteil: Deutschland ist als Exportnation bekannt, d.h. viele Güter und Leistungen werden ins Ausland verkauft.

Der veränderte Euro-Dollar-Wechselkurs kann so z.B. dazu führen, dass deutsche Firmen ihre Leistungen zu günstigeren Dollarpreisen im Ausland anbieten können, ohne in Euro weniger einzunehmen.

Ungünstige Auswirkungen können sich ergeben, wenn Leistungen oder Teile für die eigene Tätigkeit zu Dollarpreisen im Ausland eingekauft werden. Umgerechnet in Euro ergibt sich dann eine Preissteigerung. Ebenso problematisch wäre, wenn Lieferungen ins Ausland zu einem festen Dollarpreis ins Ausland vereinbart wurden, es nun aber weniger Euro dafür gibt. Gerade große Exportunternehmen sichern solche Geschäfte aber in der Regel gegen das Risiko von Währungsschwankungen ab.

  • Auswirkungen auf Depots von Anlegern

Gerade Anleger, die weltweit investieren, legen natürlich auch in US-Dollar auf den Kapitalmärkten an. Das zeigt sich auch, wenn Sie mit ETFs investieren. Das betrifft oftmals jene Indexfonds, die amerikanische Märkte oder Emerging Markets abbilden.

In der aktuellen Situation ist es sogar ein Vorteil, wenn Sie schon seit einiger Zeit weltweit anlegen (etwa mit einem Sparplan): Zur Entwicklung der Indizes kommt der steigende Dollar-Kurs hinzu. Für Ermittlung des Depotwerts wird nämlich der Dollar-Wert der ETF-Anteile in Euro umgerechnet. Mit dem Dollar-Anstieg ergibt sich dadurch ein zusätzlicher Effekt für Ihr Depot.

Schwieriger ist es dagegen bei den Währungsschwankungen, wenn Anleger Dollar-Anleihen im Depot haben: Gerade bei den aktuellen Minizinsen für solche Anleihen, kann sich durch die Veränderungen beim Dollar-Euro-Kurs der minimale Zinsgewinn schnell in ein Minus verwandeln.

Dabei soll der Anleihe-Anteil im Depot Anleger ja eigentlich gegen die Volatilität der Märkte absichern. Aus diesem Grund berücksichtigen wir bei growney in allen Anlagestrategien auch keine Dollar-Anleihen. Wir berücksichtigen also nur ETFs (Begriff erklärt), die in festverzinsliche Euro-Anleihen investieren. So ist sichergestellt, dass die Dollar-Euro-Währungsschwankungen sich nicht auf den Anleihen-Anteil im Depot von growney-Anlegern auswirken können.



Die richtige Anlagestrategie für Sie? Lassen Sie sich beraten.


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