Was ist Inflation? Wie kommt es zu einer Inflation?

Eine Inflation bezeichnet man häufig auch als Geldentwertung. Der Begriff geht zurück auf das lateinische Wort “inflatio” (“das Aufschwellen” oder “das Anschwellen”). Der Duden versteht unter Inflation die “anhaltende allgemeine Erhöhung des Preisniveaus und dadurch bedingter Rückgang der Kaufkraft einer Währung”.

Soweit zur Definition und Bedeutung des Wortes. Aber was passiert da eigentlich genau?

Dabei wird die Kaufkraft einer Währung betrachtet: Kann man durch die allgemeine Preisentwicklung immer weniger für sein Geld kaufen, dann nennt man diesen Prozess Inflation. Angegeben wird die Entwicklung dann meist durch eine Inflationsrate in Prozent. So vermeldet das Statistische Bundesamt (destatis) für jeden Monat wie sich die Verbraucherpreise im Vergleich zum Vorjahresmonat entwickelt haben.

Entscheidend sind die Preise

Wird dabei eine Inflationsrate von einem Prozent berechnet, heißt das konkret: Die gleichen Produkte sind in den letzten 12 Monaten teurer geworden - zahlte man vorher dafür 900 Euro, sind es nun 909 Euro.

Betrachtet wird dabei immer derselbe Warenkorb, der auch als Verbraucherpreisindex bezeichnet wird. Dort sind Güter und Dienstleistungen enthalten, die für den Durchschnittsverbraucher relevant sind - dazu gehören nicht nur Lebensmittel (Fleisch, Obst, Gemüse) und Getränke, sondern auch Bekleidung, Möbel, Leuchten, Geräte und anderes Haushaltszubehör, Strom, Wasser, Gas, Miete, Zigaretten, Postleistungen, Benzin. Selbst die Preise für Bildung, Pauschalreisen, Restaurantbesuche, Freizeitgestaltung, Events und Kultur-Veranstaltungen werden dabei einbezogen.

Nicht einbezogen werden sollen aber Sondereffekte: So ist beispielsweise Obst und Gemüse oft saisonal besonders teuer. Beispiel: Spargel wird außerhalb der Saison oft aus fernen Ländern importiert und wird zu entsprechend höheren Preisen verkauft. Oder Erdbeeren und Äpfel, die während ihrer normalen Erntezeit logischerweise billiger sind. Deshalb wird die Inflation immer gegenüber einem vergleichbaren Zeitraum angegeben - also entweder gegenüber dem Vorjahresmonat (verglichen wird also zum Beispiel August 2020 mit August 2019) oder der Durchschnittswert für ein gesamtes Jahr.

Was passiert bei einer inflationären Entwicklung?

Angekurbelt wird die Inflation oft durch die Zentralbanken - wie die Europäische Zentralbank, die die Geldpolitik in der Eurozone steuert. Sie hat direkten Einfluss auf die Geldmenge, die im Umlauf ist. Wächst die Geldmenge bei einer etwa gleichbleibenden Anzahl von verfügbaren Gütern, Waren und Dienstleistungen, so wird damit eine Inflation angetrieben, weil die Zahlungsbereitschaft steigt und dies zu steigenden Preisen führt.

Aktuell ist dies besonders der Fall. Durch ihre Zinspolitik will etwa die Europäische Zentralbank bewirken, dass mehr Geld ausgegeben oder investiert wird und weniger Geld auf dem Girokonto, Sparbuch oder als Tagesgeld rumliegt.

Wenn die Entwertung des Geldes sehr schnell passiert, alles also immer teurer wird, spricht man von einer Hyperinflation. Als Maßstab gilt dabei die Höhe der Inflationsrate: Von einer Hyperinflation spricht man erst ab Preissteigerungen von 50 Prozent pro Jahr. Der Preisindex für Waren und Dienstleistungen würde dann innerhalb eines Jahres von 900 auf 1.350 Euro steigen.

Ansonsten spricht man von schleichender (bis fünf Prozent), trabender (zwischen fünf und 20 Prozent) oder galoppierender Inflation (zwischen 20 und 50 Prozent). Das Gegenteil von Inflation ist eine Deflation – dabei sinken die Preise und die kaufkraft des Geldes steigt dadurch.

Was bedeutet Inflation für Kredite, für Finanzen, Sparer?

Gerade in Kombination mit Niedrigzinsen oder Nullzinsen ist eine Inflation für Sparer eine schlechte Entwicklung. Denn die Kaufkraft des gesparten Geldes sinkt dadurch. Beispiel: Bekommt jemand für 10.000 Euro Erspartes aktuell von der Bank 0,1 Prozent Zinsen, so werden daraus nach einem Jahr 10.010 Euro. Bei einer Inflationsrate von ein Prozent, sinkt aber zugleich die Kaufkraft.

Konkret: Für den Betrag auf dem Konto lässt sich dann nur noch so viel kaufen wie vorher für 9.910,89 Euro. Es entsteht also ein realer Kaufkraftverlust durch die Inflation.

Für die Finanzen bedeutet das, dass eine Geldanlage auf jeden Fall mehr als die Inflationsrate einbringen sollte. Das ist bei klassischen Sparprodukten derzeit nicht der Fall, auch auf den Tagesgeldkonten gibt es in der Regel weniger Zinsen. Das ist einer der Gründe, warum mehr und mehr Menschen andere Formen der Geldanlage suchen oder in ETF investieren.

Für Kredite wirkt sich das entsprechend aus: Es kann sich also lohnen, größere Anschaffungen jetzt schon zu machen und auf Pump zu finanzieren - selbst wenn der Zinssatz höher ist als die Inflationsrate. Wer sich beispielsweise 10.000 Euro zu einem Effektivzins von 1,8 Prozent leiht, um eine größere Anschaffung zu machen und dies durch regelmäßige Raten drei Jahre lang abbezahlt, hat insgesamt (inkl. Zinsen) einen Aufwand von 10.275,16 Euro. Zum Vergleich: Wer bei ein Prozent Inflation mit dem Kauf drei Jahre wartet, müsste damit rechnen, dass die Ware dann 10.303,01 Euro kosten wird. Oft setzen so günstige Kredite allerdings eine gute Bonität voraus.

Wie kommt es zu einer Inflation? Zerknüllte Euro-Scheine

Wie kam es 1923 zur rasanten Geldentwertung?

Als Extrembeispiel für eine Inflation gilt die rasante Geldentwertung im Jahr 1923. Damals erlebte in Deutschland die Weimarer Republik eine dramatische Schuldenkrise. Durch den Ersten Weltkrieg war das Land extrem verschuldet - zum einen bei den Siegern des Krieges, aber auch bei der eigenen Bevölkerung und bei Unternehmen. Zur Finanzierung des Ersten Weltkrieges waren ab 1914 massenhaft Kriegsanleihen ausgegeben worden, die nun fällig wurden und bezahlt werden mussten.

In der Folge wurde durch die Regierung mehr und mehr Geld ausgegeben, um diese Schulden zu bedienen. Die regelrechte Geldschwemme stand einem gleichbleibenden Warenangebot gegenüber und führte zu einer extremen Preissteigerung, teilweise stiegen innerhalb eines Tages die Preise extrem schnell. In der Folge wurden dann teilweise sogar die Löhne täglich ausgezahlt, damit die Menschen das Geld möglichst schnell ausgeben konnten.

Die Preise stiegen plötzlich in astronomische Höhen, in Schubkarren, Wäschekörben oder großen Taschen wurde das Geld bündelweise durch die Straßen geschleppt. Irgendwann standen Milliarden auf den Preisschildern - Anfang Dezember kostete ein Liter Milch in Berlin 360 Milliarden Reichsmark, für eine Fahrt mit der Straßenbahn wurden 50 Milliarden Reichsmark fällig. Viele Geschäftsinhaber weigerten sich dann überhaupt noch etwas zu verkaufen, mussten sie doch damit rechnen, dass das Geld am Abend schon nichts mehr wert war. Das Vertrauen in die Währung war verloren, es wurde oftmals nur noch gegen andere Güter getauscht. Auch Gold als Handelsobjekt stand plötzlich wieder hoch im Kurs.

Erst durch die Einführung der neuen Währung Rentenmark konnte die inflationäre Entwicklung der Preise gestoppt werden. Von der Inflation hatte damals vor allem der Staat profitiert - aus den gesamten deutschen Kriegsschulden in Höhe von 154 Milliarden Mark waren durch die Währungsreform quasi über Nacht durch die Einführung der Rentenmark nur noch 15,4 Pfennige geworden. Natürlich galt das auch für andere Kredite: Wer beispielsweise ein Haus abzubezahlen hatte oder durch andere Kredite in der Kreide stand, konnte diese Schulden plötzlich in Nullkommanix bezahlen.

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