Zinsen für Tagesgeld - lohnt sich das noch? Euro Münzen und Kleingeld
 
 

Lohnt sich Tagesgeld noch?

Die Kunden vieler Banken und Sparkassen fragen sich heutzutage: Wozu benötige ich überhaupt ein Tagesgeldkonto?

Eine verständliche Frage, denn durch die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank lohnt sich ein solches Konto nur noch selten. Oftmals gibt es nur Zinssätze von 0,01 Prozent p.a., manche Banken geben einen Zinssatz von 0,0 Prozent an oder verlangen sogar Negativzinsen von ihren Kunden. Dann wird das Geld auf dem Tagesgeldkonto nicht mehr, sondern weniger.

Eine Internet-Suche im Internet nach “Wer hat die besten Zinsen für Tagesgeld?” zeigt ein ernüchterndes Bild: Oftmals handelt es sich nur um Aktionsangebote, die für wenige Monate gelten, dann wird der Zins automatisch reduziert. Oder es handelt sich um Anbieter im Ausland, wodurch das Geldanlegen gleich wieder komplizierter wird. Schließlich stellt sich dann die Frage: Wie werden die Zinsen auf meinem Tagesgeldkonto besteuert? Die Möglichkeit, den gewöhnlichen Freistellungsauftrag für Zinszahlungen zu nutzen, gibt es dort nicht.

Die Idee: risikoarm und kurzfristig verfügbar

Grundsätzlich ist die Idee eines Tagesgeldkontos absolut vernünftig: Es geht darum, Geld zur Seite zu legen und durch die Verzinsung einen Ertrag zu erzielen - das Geld soll mehr werden.

So ist es bei vielen Sparern üblich, regelmäßig Geld auf ein Tagesgeldkonto zu überweisen, um finanzielle Rücklagen zu bilden – beispielsweise wenn eine unvorhergesehene Ausgabe anfällt, etwa ein defektes Haushaltsgerät zu ersetzen ist oder eine teure Reparatur anfällt.

In vielen Fällen wird ein Tagesgeldkonto auch als Referenzkonto für ein Wertpapierdepot oder ETF Sparpläne genutzt. Die Idee dahinter: So bringt das Geld vor einem Aktienkauf oder Kauf von ETF-Anteilen bzw. nach einem Verkauf noch etwas Zinsen ein – bis es dann für die nächste Order, Sparplan-Ausführung oder Wertpapierkäufe benötigt wird.

Firmen, Geschäftskunden oder Stiftungen nutzen Tagesgeld normalerweise auch gerne als Liquiditätsreserve. Mit dem Tagesgeld entscheiden sich Kunden für eine kurzfristige und risikoarme Form der Geldanlage: Das Geld ist täglich verfügbar, ein Kursrisiko besteht nicht. Allerdings kann es für den Bank- oder Sparkassenkunden zum Problem werden, wenn der Zinssatz für Tagesgeld niedriger ist als die Inflationsrate.

Wie funktioniert ein Tagesgeldkonto (Beispiel)?

Auf ein Tagesgeldkonto lässt sich flexibel Geld ein- und auszahlen. Diese Transaktionen sind in der Regel tagesaktuell möglich. Für die Zeiträume, in denen das Geld auf dem Konto liegt, lobt die Bank/Sparkasse einen Zinssatz aus, mit dem das Guthaben verzinst wird – zumindest wird in diesem idealtypischen Tagesgeld-Beispiel davon ausgegangen, dass kein Nullzins oder gar ein Negativzins für den Sparer gilt.

Zur Berechnung der Zinsen wird dabei die Zinseszins-Formel verwendet und in der Regel tagesgenau der Zinsanspruch berechnet. In Deutschland wird dabei meist die sogenannte “30/360-Berechnung” verwendet, oft auch “deutsche Zinsmethode” genannt. Dabei wird jeder Monat mit 30 Tagen und das Jahr mit 360 Tagen berücksichtigt.

Beispiel:

Frau M. hat ein Tagesgeldkonto bei der Sparkasse, für das sie 1,0 Prozent Zinsen p.a. bekommt (weit mehr als heute der beste Zinssatz für Tagesgeld ist).

Immer zum 20. eines Monats wird Ihr Guthaben vom Girokonto zum Tagesgeld überwiesen. Diesen Monat sind das immerhin € 413 Euro. Davon gehen zum nächsten Monatsersten € 350 Euro für ETF Sparen ab, weil Frau M. so Geld für ihre Altersvorsorge und Absicherung des Rentenalters investiert. Zum nächsten 20. werden dann € 427 Euro vom Girokonto auf das Tagesgeldkonto überwiesen. Und wieder gehen Anfang des nächsten Monats € 350 für ihre regelmäßigen Sparpläne ab. Für die Zeiträume, in denen das Geld auf dem Tagesgeld-Konto liegt, bekommt Frau M. Zinsen:

  • Im ersten Monat werden die Zinsen für € 413 Euro und zehn Tage berechnet: € 0,11
  • In den ersten 20 Tagen des zweiten Monats wird der Restbetrag von € 63,11 Euro (€ 413 + € 0,11 Zinsen – € 350 Auszahlung) verzinst. Ergebnis: € 0,04
  • Ab dem 20. des zweiten Monats bis Monatsende gibt es Zinsen auf den Betrag von € 490,15 (€ 63,11 Guthaben + € 0,04 Zinsen + € 427 Einzahlung). Zinsertrag: € 0,14
  • Die Sparkasse zahlt Frau M. also in diesen 40 Tagen € 0,29 Zinsen für das Tagesgeldkonto.

Weitere Beispielrechnung:

Herr N. hat sein Wertpapierdepot bei einer großen deutschen Bank, sein Tagesgeldkonto benutzt er als Verrechnungskonto für das Depot. Die Bank gibt ihm dafür 1,0 Prozent Zinsen p.a. (weit mehr als ein Tagesgeldkonto heute bringt).

Durch einen Verkauf von Aktien werden am 5. eines Monats € 3.752 auf das Tagesgeldkonto eingezahlt. Herr N. weiß aber aktuell nicht, ob er damit andere Aktien kaufen soll – und lässt das Geld deshalb liegen. Am nächsten Monatsersten fließen durch einen Verkauf von Fondsanteilen weitere € 2.119,39 Euro auf das Tagesgeldkonto. Zehn Tage später lässt er sich 750 Euro auszahlen und bezahlt damit eine Autoreparatur. Es dauert zehn weitere Tage bis Herr N. entscheidet, dass er alles Geld auf dem Verrechnungskonto in ETF investieren will. In der Zwischenzeit hat er von seiner Bank folgende Zinsen bekommen:

  • Im ersten Monat werden die Zinsen für € 3.752 Euro und 25 Tage berechnet: € 2,61
  • Für die ersten zehn Tage des zweiten Monats bekommt er Tagesgeld-Zinsen auf sein Guthaben von € 5.874 (€ 3.752 + € 2,61 Zinsen + 2.119,39): € 1,63
  • Durch die Auszahlung gibt es die nächsten zehn Tage weniger Zinsen, weil sein Guthaben nur noch 5.125,63 € beträgt (€5.874 + € 1,63 - € 750 Auszahlung). Aber auch dafür bekommt er Zinsen bis der ETF Kauf ausgeführt wird: € 1,43.
  • Die deutsche Bank hat Herrn N. also in dieser Zeit € 5,67 Zinsen für sein Tagesgeldkonto gezahlt.

Wann lohnt sich ein Tagesgeldkonto?

Ob sich ein Tagesgeldkonto für Sparer heute überhaupt noch lohnt, ist umstritten. Die Zinssätze liegen oft bei 0,01 Prozent oder sind sogar negativ. Und auch wer im Internet nach den besten Zinsen für Tagesgeld sucht, findet kaum noch attraktive Angebote.

Gerade wer das Geld länger auf dem Tagesgeldkonto liegen lässt, muss sich deshalb bewusst machen, dass sein Geld zwar beim Tagesgeld sicher und risikoarm angelegt ist, aber trotzdem an Kaufkraft verliert.

Grund dafür ist die Inflation, d.h. die Verteuerung von Waren und Dienstleistungen. Während durch die Niedrigzinspolitik nämlich der Zins für Tagesgeld extrem gering ausfällt und das Geld deshalb nicht mehr wird, steigen die Preise in Deutschland im Durchschnitt jedes Jahr an. In den vergangenen zehn Jahren machte diese Preissteigerung durchschnittlich 1,33 Prozent p.a. aus. Ein wichtiger Aspekt, denn Sparer bei der Frage “Was bringt mir ein Tagesgeldkonto?” berücksichtigen sollten.

Wann lohnt sich Tagesgeld? Vergleich mit ETF Robo Advisor; Grafik

Das ist auch ein Grund, warum sich andere Möglichkeiten, etwa ETF Sparen mit einem Robo Advisor (Vergleich von Strategien und Ansätzen) mittlerweile sehr großer Beliebtheit erfreuen.

Wie sind Zinsen zu versteuern?

Erträge aus Zinszahlungen und Kapitalerträgen sind in Deutschland grundsätzlich steuerpflichtig – das gilt natürlich auch für Tagesgeld-Zinsen. Es gilt aber ein persönlicher Freibetrag von € 801 pro Person (bei Paaren mit gemeinsamer Steuerveranlagung: € 1.602). Dazu ist es notwendig, unter Angabe der persönlichen Steuer-Identifikationsnummer (Erklärung: Wo finde ich meine Steuer-ID) einen Freistellungsantrag zu stellen. Die Summe aller Freistellungsaufträge darf den Freibetrag von €801 (bzw. € 1.602) nicht übersteigen.

Erzielen Sie mehr Einnahmen aus Zinsen und Kapitalerträgen oder haben Sie Ihren Freistellungsauftrag vergessen, dann wird von Ihren Zinsen automatisch die sogenannte Abgeltungssteuer von 25 Prozent abgezogen. Ist Ihr persönlicher Grenzsteuersatz allerdings geringer als 25 Prozent, dann können Sie sich die Differenz im Zuge Ihrer Einkommensteuererklärung zurückerstatten lassen.

Auf die Abgeltungssteuer wird übrigens zusätzlich Kirchensteuer berechnet, sofern Sie kirchensteuerpflichtig sind. Deswegen fragen Banken, Versicherungen und andere Finanzdienstleister ab, ob Sie der Kirchensteuerpflicht unterliegen.

Regeln im Ausland beachten

Komplizierter wird es für alle, die ihr Tagesgeldkonto im Ausland haben. Möglich ist, dass Sie dort von der Bank die Zinsen fürs Tagesgeld in voller Höhe ausgezahlt bekommen, diese aber in Deutschland als zusätzliche Einnahme bei der Steuererklärung angeben müssen. Je nach Land können aber auch andere Regeln gelten – wie etwa eine Pauschalbesteuerung für Steuerausländer.

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