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Niedrigzinsen und kein Ende: Was Sparer tun können

11. September 2019

Zum ersten Mal seit mehr als zehn Jahren hat die US-Notenbank Fed die Leitzinsen gesenkt. Und auch in Europa dürfte sich an den Niedrigzinsen in den kommenden Jahren nichts ändern. Die Folgen für Sparer sind drastisch: Mehr als 100 Banken und Sparkassen verlangen inzwischen Strafzinsen von ihren Kunden. Zum Glück gibt es Auswege.

Es hatte sich im Vorfeld angedeutet: Ende Juli hat der Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Fed und damit der oberste Währungshüter der wichtigsten Wirtschaftsnation, die Zinsen gesenkt. Auslöser für diesen Schritt dürften der eskalierende Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die drohende Abkühlung der Weltwirtschaft sein. So hat der Internationale Währungsfonds seine Prognose kürzlich das dritte Mal in diesem Jahr nach unten korrigiert und geht von einem globalen Wachstum von 3,2 Prozent für dieses Jahr und 3,5 Prozent für 2020 aus.

Die Fed ist beileibe kein Einzelfall. Laut der Deutschen Bank gab es seit der Finanzkrise weltweit 740 Zinssenkungen. Allein sieben in der zweiten Augustwoche. Auch in der Eurozone deutet alles darauf hin, dass die Niedrigzinsen, die im März 2016 eingeführt wurden, bis auf Weiteres bestehen bleiben. Im Juli hatte die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen nicht angerührt. „Die EZB wird ihre Politik der Null- und Negativzinsen, wahrscheinlich im Verbund mit neuen Anleihekäufen, noch auf Jahre hinaus weiterführen“, sagt Friedrich Heinemann, vom Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW).

115 Banken reichen Strafzinsen an Kunden weiter

Zudem gilt es als wahrscheinlich, dass die EZB im September den sogenannten Einlagensatz weiter senken wird. Dabei handelt es sich um Strafzinsen, die Banken an die EZB zahlen müssen, wenn sie überschüssige Gelder bei ihr parken. Momentan liegt der Einlagensatz bei Minus 0,4 Prozent, ab September könnten es minus 0,5 Prozent werden.

Was nach höherer Finanzmathematik klingt, hat ganz konkrete Auswirkungen für Sparer: Denn inzwischen geben 115 Banken und Sparkassen diese Strafzinsen an Geschäfts- und Privatkunden weiter. Dies hat das Verbraucherportal biallo.de kürzlich per Umfrage unter den Geldhäusern ermittelt. Das Bürgerliche Gesetzbuch verbietet es zwar den Banken, Negativzinsen zu verlangen. Denn nur Schuldner zahlen laut Gesetz Zinsen und nicht die Sparer. De facto müssen Letztere dann aber doch drauflegen, und zwar über sogenannte Verwahrentgelte für größere Vermögen, oft ab 100.000 Euro. Oder – etwas subtiler – über höhere Kontogebühren.

Besserung ist kaum in Sicht – vor allem dann, wenn die EZB den Einlagensatz noch stärker senkt. Auch das Schreckgespenst flächendeckender Negativzinsen steht bereits im Raum: „Wir wollen das nicht. Aber wenn dieses Zinsniveau auf einer langen Achse fortgeschrieben wird, dann wird der betriebswirtschaftliche Druck so groß, dass sich niemand mehr Negativzinsen entziehen kann“, sagte der baden-württembergische Sparkassenpräsident Peter Schneider. Bundesfinanzminister Olaf Scholz lässt derzeit prüfen, ob ein gesetzliches Verbot von Negativzinsen auf Beiträge unter 100.000 Euro möglich wäre.

Die Zinswelt steht Kopf

Im Klartext heißt das: Sparer bezahlen ihre Bank dafür, Geld bei ihr abgeben zu dürfen. Die Zinswelt steht Kopf.

Ein Faktor wird bei dieser Debatte allzu oft verdrängt: Nach Abzug der Inflationsrate sind die Renditen für die hierzulande so beliebten Sparbücher und Tagesgeldkonten längst negativ. Heimlich, still und leise schwindet zu allem Übel die Kaufkraft der geparkten Ersparnisse. „Kalte Enteignung“ nennen es die Fachleute.

Auswege aus dem Spar-Schlamassel

Was tun? Eine Möglichkeit wäre, die Bank zu wechseln, sobald sich Verwahrentgelte oder höhere Gebühren abzeichnen. Schließlich gibt es nach wie vor Sonderkonditionen für Neukunden. Doch das Angebots-Hopping kostet in der Regel viel Zeit. Und die Jagd nach dem letzten Zins-Zehntel kann durchaus nach hinten losgehen, wie die Pleite der Kaupthing-Bank 2008 gezeigt hat. Mit aggressiven Zinsversprechen hatte das isländische Institut zehntausende Kunden in Deutschland gewonnen. Nach der Insolvenz mussten sie monatelang um ihr Geld bangen, weil die Bank nur der isländischen Einlagensicherung unterlag, nicht aber der deutschen.

Die bessere Alternative wäre, das eigene Sparverhalten grundsätzlich zu überdenken. Wie hoch muss die eiserne Reserve auf dem Tagesgeldkonto tatsächlich sein? Wo bekomme ich noch etwas für mein Geld? Besonders dann, wenn das Kapital längerfristig angelegt werden soll und kurzfristige Schwankungen keine Rolle spielen, führt an Aktien kein Weg vorbei. Je länger die Haltedauer, desto geringer das Verlustrisiko. Eine Studie der Ratingagentur Morningstar beispielsweise zeigt, dass beim Aktienindex MSCI World das Verlustrisiko nach 14 Jahren bei null lag – und zwar für alle Zeiträume ab 1971. Und wer 20 Jahre in den deutschen Leitindex Dax investiert hat, erzielte nie weniger als drei Prozent Rendite pro Jahr. Im Durchschnitt waren es sogar acht Prozent, zeigen Berechnungen des Deutschen Aktieninstituts. Eine der wenigen unrühmlichen Ausnahmen ist Japan. Hier hat ein Aktieninvestor seit 1990 Verluste von etwa 22 Prozent eingefahren. Wäre er nur drei Jahre vorher eingestiegen, wäre er aber auch dort im Plus.

Eine breite Streuung des Kapitals über viele Branchen und Länder hilft, das Risiko zu verringern. Wer noch ein wenig defensiver investieren möchte, kann zusätzlich Anleihen beimischen. Besonders einfach und kostengünstig geht das mit mithilfe der Anlagestrategien von growney. Dann darf man die neuesten Kniffe der Notenbanken getrost ignorieren.

Mehr erfahren: So investiert growney

Über den Autor

Gerald Klein // growney Gründer & CEO

Gerald Klein blickt auf 25 Jahre Bankenerfahrung im Kapitalmarktgeschäft zurück. Freunde haben Ihn oft gefragt: „Was soll ich mit meinem Geld tun?“ Mit growney hat er endlich die passende Antwort gebaut, hinter der er zu 100% steht.

Gerald Klein


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