MSCI-World: Schummel-Index oder gutes Investment? Foto zeigt eine Weltkarte

Streit um den MSCI-World: Schummel-Index oder gutes Investment?

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2. Oktober 2020 // Geldanlage

Es ist der weltbekannteste Aktienindex: der MSCI World. Seine Idee: die globale Entwicklung der Kurse an den Börsen wiedergeben. Es gibt ihn schon seit über 60 Jahren – 1969 wurde er ins Leben gerufen.

Schon damals zeichnete sich ab, dass für eine gute Analyse der Kursentwicklung der Blick auf viele internationale Börsen und Finanzplätze unbedingt notwendig ist. Und so schuf die US-Investmentbank Morgan Stanley einen Weltindex. Sie war es auch, die dem MSCI World seinen Namen gab: MSCI steht für Morgan Stanley Capital Index.

Weltweite Aktien werden abgebildet

Insgesamt mehr als 1.650 Aktienwerte umfasst der MSCI World heute, zusammengesucht aus 23 Industrieländern. Damit der Index auch die aktuellen Trends an den Finanzmärkten wiedergibt, wird er jährlich von Morgan Stanley überarbeitet und ggf. Werte ausgetauscht oder neu in den Index (Finanzwiki: Was ist ein Index?) aufgenommen. So soll er stets die weltweite Wirtschaftskraft wiedergeben - und wird oft als der wichtigste Vergleichsindex genannt. An der Kursentwicklung des Aktienindex sollen sich zum Beispiel aktiv gemanagte Fonds oder auch Themen-ETFs messen lassen. Wer besser als der MSCI World ist, ist ein guter Fondsmanager oder Einzelanleger, wer schlechter ist muss sich Kritik gefallen lassen so der Tenor. Mit zahlreichen ETF-Fonds wird der MSCI World auch schlichtweg nachgebildet, Anleger können also von der Entwicklung der enthaltenen Aktien (Definition und Begriff) profitieren.

Tatsächlich zeigen Vergleiche, dass zum Beispiel in den letzten drei Jahren Dax-Aktien sich deutlich schlechter entwickelten als der Welt-Index. Andererseits gibt es auch Länderindizes oder Branchen, denen es gelingt, den MSCI World abzuhängen. Interessanterweise gehören dazu auch Entwicklungs- oder Schwellenländer wie Brasilien.

Kritik am MSCI World Index

Zuletzt gab es deshalb große Aufregung und Streit um den MSCI-World und seine Zusammensetzung. Ursprung ist ein Artikel in der Süddeutschen Zeitung von Anfang September 2020. Überschrift: “Der Schummel-Index, dem Anleger vertrauen”. Ausdrücklich warnt der Autor dabei davor, den MSCI als “Rundum-sorglos-Anlage” zu sehen und weiter “monatlich Geld in den Börsenindex” zu stecken - – in der bloßen Hoffnung, das würde schon irgendwie eine sichere Geldanlage sein. Die eindrückliche Warnung: Vorsicht beim Investieren ist geboten, selbst beim Weltindex MSCI World. Denn der sei kein klassischer Weltindex mehr.

Hauptkritik: Die Zusammensetzung des Aktienindex orientiert sich vor allem an der Marktkapitalisierung und damit vor allem am Börsenwert eines Unternehmens. Bedeutet: Je stärker der Börsenwert eines Unternehmens steigt, umso stärker ist auch sein Gewicht im Index. So haben Schwergewichte aus der Technologiebranche – wie Apple, Amazon, Google, Facebook, Microsoft – einen zu großen Anteil, so die Kritik. Der Index ist damit von diesen riesigen US-Unternehmen abhängig.

Unberücksichtigt bleibt so die Wirtschaftsleistung der wichtigen Industrieländer. Dadurch kann es schnell zu einem Ungleichgewicht im Index MSCI World kommen. So machen die Aktien aus den USA fast zwei Drittel des gesamten Aktienindex aus, andere Länder sind deutlich unterrepräsentiert. Schwellenländer oder Entwicklungsländer kommen sogar gar nicht vor. Dafür gibt es nämlich andere Aktienindex-Papiere von Morgan Stanley, die sich spezieller bei der Auswahl von Aktien Europa widmen – oder auch anderen Regionen wie den “Emerging Markets”, also den aufstrebenden Schwellenländern. Es gibt auch einen Index MSCI All-Country, der 49 Länder abbildet – allerdings auch hier nach Marktkapitalisierung.

Gefahr beim Investieren: Klumpenrisiko

Der Vorwurf gegen den MSCI World, er konzentriere sich zu sehr auf die Sparte der US-Technologieaktien, wird in der Fachwelt als Klumpenrisiko bezeichnet. Bedeutet: Es ist davon auszugehen, dass die Entwicklung dieser Aktienkurse weitgehend ähnlich erfolgt. Es ist keine lange Investmentphase vorstellbar, in der die Google-Mutter Alphabet sich an der Börse extrem gut entwickelt, andere Digital-Riesen wie Facebook, Apple oder Amazon dagegen besonders fallende Kurse verzeichnen. Wer in der Geldanlage darauf setzt, geht also möglicherweise ein besonders hohes Risiko ein, dass hier ein Rückschlag sich besonders stark bemerkbar machen könnte.

Dessen sind sich viele Anleger aber gar nicht bewusst – viele setzen einfach nur auf einen ETF, der den Index abbildet, auch weil ETFs im Vergleich oft sehr kostengünstig sind. Die Hoffnung, dass sie mit dem MSCI optimal gegen Kursschwankungen und eine hohe Volatilität abgesichert sind, könnte sich aber durch die Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung als Trugschluss erweisen.

Schummel-Index oder gutes Investment?

Auf die Kritik der Süddeutschen Zeitung gibt es aber auch zahlreiche Reaktionen: So wird der Index aufgrund seiner weltweiten Streuung trotzdem empfohlen, immerhin ist das ja auch besser als allein auf eine einzelne Aktie zu setzen oder wenn Kleinanleger selbst aus dem deutschen Länderindex Dax Aktien auswählen. Zudem wird entgegnet: Da die riesigen US-Technologieunternehmen weltweit tätig sind, bestünde hier kein Länder-Klumpenrisiko für die USA.

Auch für Privatinvestoren gilt: Je besser die Geldanlage weltweit aufgeteilt ist, umso weniger Risiko besteht für die Entwicklung des Investment Portfolios. Klar ist dabei, dass es einem einzelnen Anleger selbst aber gar nicht möglich ist, eine breitere Streuung des Investments zu erreichen als mit einem ETF, der den MSCI World abbildet.

Mögliche Alternative deshalb: Die Geldanlage per Robo-Advisor (einfach erklärt: Robo-Advisory). Solche digitalen Vermögensverwalter haben den Vorteil, dass sie auch für Privatanleger das Investment breiter weltweit diversifizieren können als es der Index MSCI World tut. Als Beispiel: Während der umstrittene “Weltindex” rund 1.650 Aktien aus 23 Ländern abbildet, umfasst ein Investment mit growney bis zu 5.000 Wertpapiere aus 43 Ländern.

Die Anlagestrategie orientiert sich dabei – anders als der MSCI World – nicht allein an Kriterien wie Marktkapitalisierung und Börsenwert, sondern berücksichtigt auch die Wirtschaftsleistung entsprechend des jeweiligen Brutto-Inlandsprodukts. So werden Klumpenrisiken ausdrücklich vermieden – als passende Strategie für Privatanleger, die sich möglichst wenig um die Geldanlage kümmern wollen, aber trotzdem Wert auf eine deutlich bessere Rendite als bei Tagesgeld, Sparbuch oder Festgeld legen.



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