Allgemeines

Ein Index bildet die Wertentwicklung einer bestimmten Auswahl festgelegter Werte ab, wie zum Beispiel die von Aktien oder Anleihen. Solche Börsenindizes dienen als Barometer für eine repräsentative Auswahl an Wertpapieren einer geografischen Region, einer Branche oder einer bestimmten Güteklasse. So ist bspw. der deutsche Aktienindex (DAX) eine Kennzahl, mit der die Aktienkursentwicklung der 30 größten und liquidesten Unternehmen in Deutschland abgebildet wird.

Neben Indizes auf Aktien oder Anleihen, gibt es auch Indizes auf andere Anlageklassen oder Kennzahlen. Es gibt zum Beispiel Indizes auf Rohstoffe, Währungen, auf die Volatilität eines Aktienindexes (Volatilitätsindex) und auf Verbraucherpreise, Immobilienpreise oder die Inflationsrate. Wofür diese unterschiedlichen Typen eingesetzt werden und wie man als privater Anleger diese nutzen können, wird im weiteren erläutert.

Indizes in der Praxis

Für Anleger dienen Indizes auf Wertpapiere als Börsenbarometer für einzelne Volkswirtschaften oder Wirtschaftsbereiche. Eine weitere Funktion von Börsenindizes ist die Bereitstellung der Wertentwicklung eines Portfolios, dass über Finanzprodukte für Anleger investierbar gemacht wird. Denn eine direkte Investition in den Index ist nicht möglich. Einige Beispiele für Finanzprodukte, über die Anleger indirekt in einen Index investieren können sind folgende: Exchange-Traded Funds (ETFs), Indexfonds, Indexzertifikate, Terminkontrakte, Optionen, Optionsscheine, Contract for Differences (CFDs).

Für Fondsmanager dient ein Index als Vergleichsgröße, um zu überprüfen, ob sie mit ihrer Strategie erfolgreich sind.

Übersicht über Indizes

Der folgende Überblick ist eine Übersicht über die wichtigsten Indizes aus unterschiedlichen Ländern für unterschiedliche Anlageklassen:

Aktienindizes

Deutschland

DAX – deutscher Aktienindex. Der DAX gilt als wichtigster Leitindex für die deutsche Volkswirtschaft. Er repräsentiert die 30 größten, börsennotierten Unternehmen Deutschlands.

TecDAX – der TecDAX besteht aus den 30 größten, börsennotierten Technologieunternehmen aus Deutschland.

MDAX – der MDAX repräsentiert die 60 größten Unternehmen in Deutschland, die der Größe nach den im DAX enthaltenen Unternehmen folgen. Er ist daher als Barometer für mittelgroße, börsennotierte Unternehmen in Deutschland zu sehen.

Europäische Aktienindizes

EURO STOXX 50 – der EURO STOXX 50 bildet die Wertentwicklung der 50 größten, börsennotierten Unternehmen im Euro-Währungsgebiet ab. Er ist daher einer der wichtigsten Börsenbarometer für die Eurozone.

STOXX Europe 600 – der STOXX 600 besteht aus den 600 größten europäischen Aktiengesellschaften und repräsentiert somit die gesamte europäische Wirtschaft.

FTSE 100 – der FTSE 100 gilt als Leitindex für den britischen Aktienmarkt. Er besteht aus den 100 größten und umsatzstärksten britischen Unternehmen, die an der London Stock Exchange gelistet sind.

CAC 40 – der CAC 40 repräsentiert die 40 umsatzstärksten französischen Unternehmen, die an der Euronext Paris gehandelt werden.

FTSE MIB – der FTSE MIB besteht aus den 40 wichtigsten italienischen Unternehmen, die an der Mailänder Börse gehandelt werden.

Aktienindizes weltweit

Dow Jones – der Dow Jones Industrial Average ist einer der ältesten amerikanischen Aktienindizes und setzt sich aus den 30 größten US-amerikanischen Unternehmen zusammen. Da der Dow Jones preisgewichtet berechnet wird, werden große Unternehmen im Index untergewichtet und kleine Unternehmen übergewichtet. Aufgrund dieser Schwäche wird meist der S&P 500 als Barometer für die US-Wirtschaft herangezogen, da dieser marktwertgewichtet berechnet wird und mehr Unternehmen berücksichtigt. Diese Schwäche wird auch von den Forschern John B. Shoven (Stanford University und National Bureau of Economic Research) und Clemens Sialm (Stanford University) thematisiert.

S&P 500 – der S&P 500 gilt als Leitindex für die US-amerikanische Wirtschaft. Er repräsentiert die 500 größten US-amerikanischen, börsennotierten Unternehmen.

Nikkei 225 – der Nikkei 225 gilt als Leitindex für die japanische Wirtschaft und setzt sich aus den 225 japanischen Unternehmen zusammen, die an der Tokioer Börse gehandelt werden.

SSE Composite – der SSE Composite ist der Leitindex für China und besteht aus allen Unternehmen, die an der Shanghaier Börse gelistet sind.

MSCI World – der MSCI World repräsentiert über 1.600 börsengelistete Unternehmen aus 23 Industrieländern. Er gilt als Leitindex für die Volkswirtschaften der Industrieländer.

MSCI EM – der MSCI Emerging Markets Index besteht aus etwa 850 Aktiengesellschaften aus 26 Schwellenländern, wie China, Südkorea, Taiwan, Indien, Südafrika und Brasilien

MSCI AWCI – der MSCI All Country World Investable Market Index umfasst börsennotierte Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern. Neben großen Unternehmen werden in diesem Index auch kleinere Unternehmen weltweit berücksichtigt. Mit etwa 8.500 Unternehmen ist es ein sehr breiter Aktienindex.

Anleihen-/Rentenindizes

Bloomberg Barclays Bond Indices – der Nachrichtendienst Bloomberg stellt eine Vielzahl an Anleihenindizes für unterschiedliche Wirtschaftsräume und Güteklassen (von Staatsanleihen bis Hochzinsanleihen) zur Verfügung. Zum Beispiel bildet der Bloomberg Barclays Global Aggregate Bond Index die Wertentwicklung von Staats- und Unternehmensanleihen weltweit ab.

Iboxx – Iboxx ist der Name einer Indexfamilie von Anleihenindizes. Besonders populär sind die Liquid-Indizes, die sich nur auf liquide gehandelte Anleihen konzentrieren.

Rohstoffindizes

Bloomberg Commodity Index – der Bloomberg Commodity Index bildet die Wertentwicklung von 23 Rohstoff-Terminkontrakten (Futures) ab. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe erfolgt in Abhängigkeit von der Produktion des Rohstoffes und der Liquidität des entsprechenden Futures.

Rogers International Commodity Index – der Rogers International Commodity Index bildet die Wertentwicklung von 37 Rohstoff- Futures ab. Die Gewichtung der einzelnen Rohstoffe erfolgt in Abhängigkeit vom weltweiten Verbrauch.

Indexanbieter

Als Anbieter von Indizes treten Börsen, Banken, Ratingagenturen, Nachrichtendienste und spezialisierte Indexanbieter auf. Zu den wichtigsten Indexanbietern gehören:

MSCI – Morgan Stanley Capital International ist ein US-amerikanischer Finanzdienstleiter, der viele Aktienindizes berechnet, wie zum Beispiel den MSCI World, den MSCI Emerging Market und den MSCI All Country World Index.

Standard & Poor’s – Standard & Poor’s ist vorrangig als eine der bedeutendsten Ratingagenturen bekannt. Darüber hinaus stellt Standard & Poor’s Aktienindizes zur Verfügung, wie zum Beispiel den S&P 500. Neben vielen weiteren Aktienindizes auf Regionen und Branchen, berechnet S&P auch einen Rohstoffindex, den S&P GSCI (Standard & Poor’s Goldman Sachs Commodity Index), der ehemals von Goldman Sachs angeboten wurde.

FTSE Group – das auf Aktienindizes spezialisierte Unternehmen wurde als Joint Venture der Zeitung Financial Times und der Londoner Börse (London Stock Exchange) gegründet und ist heute ein Tochterunternehmen der Londoner Börse. FTSE stellt neben europäischen Aktienindizes (z.B. FTSE 100 und FTSE MIB) viele internationale und branchenspezifische Indizes zur Verfügung.

STOXX AG – STOXX ist ein Indexanbieter der Deutschen Börse. Neben den EURO STOXX 50 und dem STOXX Europe 600, bietet STOXX noch viele weitere Aktienindizes an.

Ursprünglich war die wichtigste Einnahmequelle von Indexanbietern der Verkauf von Indexdaten und die Lizenzvergabe für Derivate, wie Futures und Optionen. Heutzutage verdienen sie jedoch ihr Geld größtenteils mit dem Verkauf von Lizenzen auf ihre Indizes an ETF-Anbieter. Denn um einen bekannten Index als ETF anbieten zu dürfen, benötigt der ETF-Anbieter eine Lizenz.

Berechnung von Indizes

Die Berechnung eines Index beginnt zum Startzeitpunkt üblicherweise mit einer glatten Zahl wie 1000 oder 100. Die weitere Berechnung erfolgt über die Entwicklung der im Index enthaltenen Werte. Die Aufnahme von Werten oder Länder in einen Index erfolgt über bestimmte Kriterien. Zum Beispiel werden im DAX nur Unternehmen aufgenommen, die hinsichtlich der Marktkapitalisierung und des Börsenumsatzes zu den größten Unternehmen in Deutschland gehören und deren Streubesitz größer als 10 % ist, also nicht von Großaktionären gehalten wird. Die drei Auswahlkriterien Marktkapitalisierung, Börsenumsatz und Streubesitz sind für fast alle Aktienindizes die wichtigsten Kriterien, während speziellere Aktienindizes völlig andere Kriterien hinzuziehen. Zum Beispiel spielen für einen Aktienindex, der die Wertentwicklung von nachhaltigen Unternehmen (Sustainability Index) abbildet, ökologische Aspekte eine wichtige Rolle. Für einen Index, der Unternehmen aus mehreren Ländern umfasst, sind neben der Größe und Liquidität der Unternehmen zusätzlich die allgemeine ökonomische Entwicklung eines Landes und der Marktzugang für ausländische Anleger von Bedeutung.

Dabei gibt es bei Wertpapieren drei unterschiedliche Vorgehensweisen, die Entwicklung der Indexwerte zu berücksichtigen:

  • Kursindex – nur die Kurse der Wertpapiere werden bei der Berechnung des Indizes dargestellt. Weitere Renditen, die sich aus Dividenden, Zinsen und anderen Ertragsquellen ergeben, werden ignoriert.
  • Total Return Index (Performanceindex) – neben den Kursen der im Index enthaltenen Wertpapieren, werden auch Dividenden, Zinsen und weitere Ertragsquellen bei der Wertentwicklung berücksichtigt.
  • Total Net Return Index – die Berechnung ist nahezu identisch mit dem Total Return Index, mit dem Unterschied, dass eine fiktive Besteuerung auf Dividenden und Kapitalerträge berücksichtigt wird.

Des Weiteren gibt es für Indizes unterschiedliche Arten, die einzelnen Werte im Index zu gewichten. Die für Börsenindizes üblichen drei Methoden eine Gewichtung vorzunehmen sind folgende:

  • Preisgewichteter Index – Aktienkurse aller Indexwerte werden aufsummiert und anschließend durch die Anzahl der Indexwerte dividiert (z.B. Dow Jones und der Nikkei 225).
  • Marktwertgewichteter Index – Die Gewichtung der einzelnen Werte wird nach dem Marktwert des Wertpapiers vorgenommen. Dies ist die gängigste Methode für die Berechnung der Wertentwicklung von Aktienindizes.
  • Gleichgewichteter Index – Bei einem gleichgewichteten Index sind alle darin befindlichen Indexwerte mit der gleichen prozentualen Gewichtung vertreten. Damit diese Gewichtung über die Zeit konstant bleibt, ist eine regelmäßige Zurücksetzung auf das Ursprungsverhältnis notwendig.






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