Mann sortiert Geldmünzen; Können Zins-Angebote auf Dauer den Aktienmarkt schlagen?

Können Zins-Angebote auf Dauer den Aktienmarkt schlagen?

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20. Oktober 2023 // Geldanlage

Die Zinsentscheidungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der US-Notenbank Fed zeigen Wirkung: Es gibt mehr und mehr Angebote mit höheren Zinsen für Tagesgeld oder Festgeld. Für viele leidgeprüfte Sparer eine regelrechte Erleichterung. Jahrelang gab es für Bankguthaben nur Nullzinsen – oder es fielen sogar Negativzinsen an.

Nun sind die Zinsen also zurück. Zwar erhöhen sehr viele Banken und Sparkassen Zinsen nur sehr langsam oder bieten attraktive Zinssätze ausschließlich für Neukunden oder einen sehr kurzen Zeitraum (oft nur 3, 4 oder 6 Monate) an. Wer nach guten Zins-Angeboten für Tagesgeld bzw. Festgeld sucht, findet diese auf Vergleichsseiten wie auch growney sie anbietet.

Aktuell gibt es beispielsweise:

  • 3,18 % bis 3,25 % p.a. für Tagesgeld
  • 4,30 % p.a. für 12 Monate
  • 4,45 % p.a. Nominalzins für Festgeld, 3 Jahre
Angebote in der Übersicht

Doch können solche Zins-Angebote von Banken auf Dauer eine Alternative zu Investitionen in Wertpapiere sein? Die ehrliche Antwort darauf: nein.

Inflation, Realzins und der Kaufkraftverlust

Das liegt am sogenannten Realzins. Während es für das Geld auf dem Tagesgeldkonto oder für das Festgeld zwar die versprochenen Zinsen gibt, sinkt durch die Entwicklung der Inflation die Kaufkraft des Geldes. ­

Die Rechnung dazu ist relativ einfach: Sind die Zinsen geringer als der Preisanstieg durch die Inflation, dann ist der Realzins negativ. Das heißt: Sparer haben zwar – dank der Zinsen – mehr Geld. Doch sie können sich dadurch weniger kaufen.

Ein Rechenbeispiel für den Realzins zeigt, dass bei 10.000 Euro Anlagesumme auf einem Zinskonto und einer Inflation von 5,0 % ein Kaufkraftverlust von 67 bis 167 Euro im ersten Jahr entstehen kann.

Tabelle zeigt Kaufkraftentwicklung durch Zinsen und Aktien

Wer denselben Betrag allerdings als Bargeld oder unverzinst auf dem Sparbuch oder Girokonto rumliegen lässt, erleidet einen deutlich höheren Kaufkraftverlust von mehr als 475 Euro. Insofern kann ein Festgeld oder ein Tagesgeldkonto immerhin dazu beitragen, die Folgen der Inflation abzumildern.  

Vermögensaufbau mit Zinsen?

Schwierig – wenn nicht gar unmöglich – ist dagegen der Vermögensaufbau mit einem Sparbuch oder Zinskonto. Wenn in unserem Rechenbeispiel für den Realzins das Verhältnis von Inflation und Zinsen gleichbleibt, wird der negative Effekt auf die Kaufkraft nämlich Jahr für Jahr stärker. Es kommt quasi zu einem negativen Zinseszinseffekt:

  • Bei Festgeld bedeutet das bei gleichbleibendem Zins und Inflationsrate nach 10 Jahren fast 650 Euro Kaufkraftverlust. Nach 25 Jahren wären es sogar mehr als 1.500 Euro.
  • Extremer ist der negative Zinseszinseffekt durch die Inflation allerdings bei Bargeld bzw. unverzinstem Geld auf dem Girokonto: Nach 5 Jahren beträgt die Kaufkraft von 10.000 Euro nur noch rund 7.835 Euro. Nach 25 Jahren sind es sogar weniger als 3.000 Euro.

Ein systematischer Vermögensaufbau gelingt so nicht. Denn schließlich geht es vor allem darum, vom Wachstum an den Kapitalmärkten zu profitieren und so mehr aus dem zurückgelegten Geld zu machen.

Mittel- und langfristig positive Entwicklung

An den Kapitalmärkten gibt es für Anleger allerdings ein anderes Risiko: Die Kurse entwickeln sich in bestimmten Phasen durchaus negativ. Ein Blick auf die historische Entwicklung zeigt allerdings, dass dies für mittel- und langfristig orientierte Anleger kein Problem darstellt. Denn Kursverluste wurden stets durch spätere Kurssteigerungen wieder wettgemacht.

Das zeigt auch ein ausführlicher Vergleich zur Entwicklung von Aktienmarkt und Geldmarkt (also die Einnahmen aus Zinsen) in Inflationsphasen. Über mehrere Jahre gesehen erzielen Anleger an den Märkten so einen positiven Realzins.

Grafik zeigt Entwicklung von Realzins und Inflation

Zur vollständigen Untersuchung

Rückblickend und über die Jahre betrachtet liegt die Rendite eines weltweit diversifizierten Aktien-Portfolios durchschnittlich bei 6 bis 7 % pro Jahr. Die Zeiträume mit negativer Entwicklung werden dabei durch höhere Wertentwicklung in anderen Jahren mehr als ausgeglichen.

Vorausgesetzt, die Inflation liegt nicht über dem Wert von 6 bis 7 % im Jahr, profitieren Anleger also von einer positiven Wertentwicklung. Ihre Kaufkraft steigt – im Gegensatz zu der Geldanlage mit Tagesgeld oder Festgeld. So ist auf Dauer ein Vermögensaufbau mit dem investierten Geld möglich.

Selbst wenn man eine dauerhaft hohe Inflation annimmt, ist dies der Fall. Ist die Inflation mit 5 % pro Jahr deutlich höher als das Inflationsziel der EZB (maximal 2 % p.a.), so ergibt sich im 1. Jahr für den Betrag von 10.000 Euro bei 6,25 % Rendite ein Kaufkraft-Plus von knapp 120 Euro.

Durch den Zinseszinseffekt ergeben sich nach 10 Jahren rund 1.200 Euro mehr Kaufkraft. Nach 25 Jahren hat sich die Kaufkraft um 3.400 Euro gesteigert. Bei einer geringeren Inflation als in diesem Beispiel fällt der Kaufkraftgewinn natürlich entsprechend höher aus.

Berechnung zeigt, warum Vermögensaufbau mit Zinsen kaum funktioniert

Aktien: Anleger profitieren von einer Risikoprämie  

Anleger an den Kapitalmärkten profitieren in der Regel von der sogenannten Risikoprämie: Dem Kursrisiko, das es grundsätzlich bei Fonds, Aktien oder Anleihen gibt, steht die Chance auf einen hohen Wertzuwachs gegenüber. Deswegen ist hier generell und auf Dauer eine höhere Rendite als bei Zinsprodukten wie Tagesgeld oder Festgeld möglich.

Mit Tagesgeld oder Festgeld gehen Anleger so gut wie kein Risiko ein. Sie geben Ihr Geld einer Bank oder Sparkasse und erhalten dafür Zinsen. Sparkassen oder Banken erwirtschaften mit dem Geld ebenfalls Zinsen, entweder durch Kredite an Privat- oder Firmenkunden oder indem sie von der EZB einen Einlagenzins bekommen.

Dafür können Anleger im Gegenzug kaum höhere Zinsen als die Inflationsrate erwarten: Es ist bei Spareinlagen sogar die Regel, dass ein Kaufkraftverlust entsteht, weil das Zinsniveau die Preisentwicklung nicht ausgleichen kann.

Die Deutsche Bundesbank formuliert es in einer Analyse ziemlich drastisch:

In den vergangenen Jahrzehnten waren negative Realzinsen sogar eher die Regel als die Ausnahme. Bereits vor der Finanzkrise, nämlich in den 1970er Jahren, Anfang der 1990er Jahre sowie in den 2000er Jahren, erhielten Bankkunden insbesondere auf ihre Spareinlagen keine inflationsausgleichende Verzinsung. Diese Phasen realer negativer Verzinsung überwogen historisch sogar: So lag die mittlere reale Verzinsung über den gesamten Zeitraum (auch ohne Finanzkrise) sowohl bei Spareinlagen als auch bei jederzeit verfügbaren Einlagen (sogenannten Sichteinlagen) im negativen Bereich.“

Fazit

  • Für überschaubare Beträge kann ein Tagesgeld oder Festgeld Sinn machen. (Details dazu in diesem Artikel) Alternativ bieten sich auch Zins-Investments mit ETFs an.
  • Solche Geldanlagen werden aber den Kaufkraftverlust durch die Inflation nicht auf Dauer ausgleichen, sondern nur abmildern.
  • Für den systematischen Vermögensaufbau und die Absicherung des eigenen Lebensstandards ist ein positiver Realzins zwingend erforderlich.
  • Bei Betrachtung der historischen Kapitalmarktentwicklung bieten Aktien (und teilweise auch Anleihen) eine besonders hohe Chance auf eine Rendite, die oberhalb der Inflationsrate liegt.
  • Um von dieser Wertentwicklung zu profitieren, müssen Anleger zwischenzeitlich auch schwächere Marktphasen aushalten.

Alle Zinsangebote Stand: 20. Oktober 2023, seitdem gab es mehrere Zinsänderungen. Die aktuellen Angebote gibt es hier

 

 



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