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3. Juni 2016 // Geldanlage

In diesem Beitrag wird die Frage beantwortet: Wie sollte ein Privatanleger sein Geld in Fonds anlegen, um für die Zukunft zu sparen?

Passiv Investieren

Der typische Investmentfonds, der Privatanlegern häufig empfohlen wird, ist aktiv gemanagt.

Dies bedeutet, dass ein Team aus hoch bezahlten Fondsmanagern die Finanzmärkte beobachtet, sich eine Meinung bildet und dann zum Beispiel die Apple-Aktie kauft.

Aber mit wem handelt dieser aktive Fonds? In der Regel mit einem anderen aktiven Fonds, der zur gegenteiligen Meinung gekommen ist. Er schätzt die Aussichten für die Apple-Aktie als negativ ein und verkauft dieses Wertpapier.

Dies beschreibt das Problem des aktiven Managements: Alle Anleger zusammen halten alle Wertpapiere, also das gesamte Markt-Portfolio. Besitzt einer mehr Apple-Aktien, als das Gewicht im Markt-Portfolio vorschreibt – man sagt, er gewichtet Apple über – so muss ein anderer diese Aktie untergewichten. Relativ zur Marktentwicklung kann nur einer von beiden recht haben.

Jedes Jahr gibt es aktive Fonds, die besser abschneiden als der Markt und es gibt solche, die schlechter abschneiden als der Markt. Alle Fondsmanager zusammen erreichen jedoch im Schnitt vor Kosten die Performance des Markt-Portfolios*.

Relativ zum Markt und vor Kosten ist Geldanlage ein so genanntes Nullsummenspiel. Die Überperformance des einen ist zwangsläufig die Unterperformance des anderen.

Sein Geld über viele Fonds zu streuen, die sich alle im gleichen Wertpapiersegment tummeln, ergibt folglich keinerlei Sinn und produziert nur hohe Kosten.

Bleibt nur die Hoffnung, im Vorhinein erkennen zu können, welcher aktive Fonds in Zukunft besser als der Markt sein wird und voll auf diesen Fonds zu setzen. Viele Studien deuten jedoch darauf hin, dass dies kaum möglich ist. So sind zum Beispiel die besten aktiven Fonds im letzten Jahr nicht systematisch die besseren Fonds im folgenden Jahr.

Ein aktiver Fonds wird vor Kosten zufällig mal besser, mal schlechter abschneiden als der Markt. Langfristig ist lediglich die Marktperformance zu erwarten.

Kosten, Kosten, Kosten

Für den Privatanleger ergeben aktive Fonds wenig Sinn, denn sie liefern kaum Mehrwert, produzieren jedoch hohe Kosten. Zu diesen Kosten zählen ein Ausgabeaufschlag von bis zu 5 Prozent, Verwaltungsgebühren bis zu 3 Prozent sowie in den Verwaltungsgebühren noch nicht enthaltene Transaktionskosten auf Ebene des aktiven Fonds. Je „aktiver“ ein Fonds ist, d. h. je häufiger das Portfolio umgeschichtet wird, desto höher fallen diese versteckten Kosten aus.

Nach Kosten ist aktives Management relativ zum Markt kein Nullsummenspiel mehr, sondern im Schnitt nachteilig für den Kunden.

Den meisten Anlegern fallen diese Kosten jedoch insbesondere bei sehr volatilen Aktienfonds kurzfristig kaum auf. Welcher Kunde wird sich nach einem guten Aktienjahr beschweren, wenn sein Aktienfonds um 23 Prozent gestiegen ist, auch wenn der Aktienmarkt um 25 Prozent zugelegt hat?

Langfristig sind diese Kosten für die Rendite jedoch absolut bedeutsam, wie ein Beispiel erläutern soll: Legt man 10.000 € für 35 Jahre in einen breit gestreuten aktiv gemanagten Fonds mit 5 Prozent Ausgabeaufschlag und 2 Prozent Verwaltungsgebühr pro Jahr an, erhält man bei einer durchschnittlichen Rendite vor Kosten von 6 Prozent am Ende ein Vermögen in Höhe von 37.582 € ausgezahlt. Ohne Kosten stehen nach 35 Jahren 76.861 € zur Verfügung. Dies sind 39.279 € mehr und damit mehr als doppelt so viel angespartes Kapital. Ein gewaltiger Unterschied! Noch deutlich schlechter fällt das Ergebnis aus, wenn zwischendurch häufiger der Fonds gewechselt wird, weil ein anderer Fonds vermeintlich besser ist. Wird zum Beispiel alle fünf Jahre ein Ausgabeaufschlag von 5 Prozent fällig, verbleiben am Ende lediglich 28.044 €.

Fazit: Passiv und preiswert investieren mit ETFs

Der nicht vorhandene Mehrwert des aktiven Fondsmanagements wird durch die hohen Kosten zu einem entscheidenden Nachteil dieser Fondsart. Für den Privatanleger sind passive Fonds, die preiswert den Markt abbilden, viel besser geeignet.

In den letzten Jahren haben sich in diesem Segment die Exchange Traded Funds (ETF) durchgesetzt. Diese börsengehandelten Fonds investieren sehr kostengünstig und passiv gemäß vorgegebener Indizes, die einen Teil des Marktes wie zum Beispiel europäische Aktien abbilden.

Mit weniger als 10 ETFs kann bereits ein Großteil des Weltmarktes abgebildet werden. Die Kosten bewegen sich meist zwischen 0,1 und 0,3 Prozent und damit einem Bruchteil der Kosten aktiver Fonds. Ausgabeaufschläge gibt es in der Regel nicht.

Zudem fallen die Transaktionskosten auf Ebene des passiven Fonds deutlich niedriger aus, da dieser nicht so häufig umschichten muss wie ein aktiv gemanagter Fonds

Im Beispiel oben hätte der Anleger bei 0,15 Prozent Verwaltungsgebühr pro Fonds pro Jahr und einer Servicegebühr von 0,39 Prozent für die Asset Allokation und die Auswahl der Fonds nach 35 Jahren 64.279 € zur Verfügung, also 26.697 € mehr als mit aktiven Fonds.

Daher kann jedem Privatanleger nur empfohlen werden, auf ein breit gestreutes Portfolio aus preiswerten, passiven ETFs zu setzen. Damit wird er langfristig in den allermeisten Fällen deutlich besser fahren als mit teuren aktiven Investment-Fonds.

Mehr erfahren: So investiert growney


*In einer genaueren Analyse müssten die Anleger außerhalb der Fondsindustrie in die Überlegungen einbezogen werden. Es könnte sein, dass die Fondsindustrie auf Kosten der Anleger außerhalb der Industrie systematisch gewinnt. Studien zeigen jedoch, dass dies nicht der Fall ist. Die Argumentation wird also durch diese Vereinfachung nicht wesentlich geändert.

Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Wissenschaftlicher Berater von growney

Bei der Asset Allokation und Fondsauswahl arbeitet growney eng mit Prof. Dietmar Hillebrand zusammen. Er ist Leiter des Steinbeis Transferzentrums Quantitative Finance und Professor für Wirtschaftsmathematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sein großes Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für Privatanleger nutzbar zu machen.



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