Robo-Advisory als Alternative zur klassischen Anlage

26. April 2017

Sie versprechen einen einfachen und unabhängigen Zugang zum Kapitalmarkt, so dass auch unerfahrene Investoren von ihnen profitieren können: Robo-Advisory Plattformen.

Worauf Investoren bei der Wahl ihrer digitalen Vermögensanlage achten sollten, erklärt Gerald Klein, Gründer und CEO von growney.

BENUTZERFREUNDLICHKEIT.

Die Grundidee eines guten Robo-Advisors ist ein einfacher, kostengünstiger und transparenter Zugang zum Kapitalmarkt. Um Kunden das zu ermöglichen, bedarf es zum einen einer übersichtlichen Website, die für Nutzer selbsterklärend ist und wichtige Fakten bündelt. Dazu gehören beispielsweise ein Bereich, in dem häufig gestellte Fragen beantwortet werden, eine umfangreiche Produktinformation oder eine Chatfunktion, über die Kunden direkt mit dem Robo-Advisor-Team kommunizieren können. Zum anderen ist eine ständige Qualitätskontrolle fester Bestandteil der Serviceleistung. Kunden erhalten etwa in regelmäßigen Abständen ein verständliches Reporting und können sich in wenigen Sekunden einen Überblick über die Wertentwicklung und Zusammensetzung ihres Portfolios machen. Ein guter Robo Advisor nimmt seinen Kunden also eine Vielzahl an zeitintensiven Aufgaben ab und erspart ihnen Aufwand.

PRODUKTQUALITÄT.

Ein guter Robo Advisor zeichnet sich durch eine individualisierte und situationsspezifische Beratung aus, die eine hohe Produktqualität sicherstellt. So sorgt ein jährliches Rebalancing für eine kontinuierliche Optimierung des Portfolios. Das ist nötig, da sich Aktien und Anleihen in ihrem Wert meistens unterschiedlich entwickeln. Es kommt also zu Verschiebungen, und die Depotzusammensetzung entspricht nicht mehr dem ursprünglich vom Anleger angestrebten Risikoniveau. Zum Beispiel: Statt - wie gewünscht - aus 50 Prozent Aktien und 50 Prozent Anleihen kann sich der Depotwert nach einem Jahr unter Umständen aus 55 Prozent Aktien und 45 Prozent Anleihen zusammensetzen. Das Rebalancing stellt die vorgegebene Zusammensetzung wieder her. Anleger sollten außerdem darauf achten, ob ein Robo-Advisor einen “Best in Class”-Ansatz verfolgt. Bei diesem Ansatz wird darauf geachtet, dass das Vermögen der Kunden in den besten Fonds der jeweiligen Anlageklasse investiert ist. Denn das kann sich ändern - etwa wenn ein Fondsanbieter die Preise erhöht oder wenn ein ETF plötzlich einen anderen Index abbildet. Daher sollte das Team eines guten Robo-Advisors die Fonds permanent prüfen und gegebenenfalls den Austausch eines Fonds im Portfolio vorschlagen.

ANLAGEZIELE UND RISIKOBEREITSCHAFT.

Wer ein Depot bei einem Robo-Advisor eröffnet, legt zunächst sein Anlageziel fest. Also: das Risikoniveau, die Höhe der Einmalanlage, die monatliche Sparrate sowie den Anlagezeitraum. Optimal ist es, wenn Anleger bei einem Robo-Advisor die Möglichkeit haben, ihr Kapital auf beliebig viele Anlageziele mit unterschiedlichen Risikostufen aufzuteilen. Etwa auf eine offensive Anlagestrategie, also ein Portfolio mit hohem Aktienanteil, oder auf ein konservativeres Portfolio mit mehr Anleihen. Bei der Ermittlung der passenden Risikostufe sollte ein seriöser Robo-Advisory-Anbieter gerade Anleger mit wenig Investmentkenntnissen unterstützen - indem er beispielsweise auf seiner Website einen freiwilligen Risikobereitschaftstest anbietet. Dieser fragt vor allem ab, wie wohl oder unwohl sich der Kunde bei Verlustszenarien fühlt oder wie viel Vermögen vorhanden ist. Auf Grundlage der Antworten erhalten Kunden dann eine Empfehlung, die auf die persönlichen Bedürfnisse abgestimmt ist.

ANLAGESTRATEGIE.

Untersuchungen zeigen immer wieder, dass langfristig nur die wenigsten Fondsmanager den Markt schlagen. Ein Robo-Advisor, der auf eine passive Anlagestrategie mit ETFs setzt, ist daher eine sinnvolle und deutlich erfolgversprechendere Alternative. Denn die passiven, börsennotierten Indexfonds bilden einen Markt so genau wie möglich ab und sind damit langfristig erfolgreicher als aktiv gemanagte Fonds. Robo-Advisors wollen mit geringen Kosten und einer breiten Diversifizierung attraktive Renditen erzielen. Das Produktangebot sollte daher über verschiedene Länder und Sektoren gestreut sein. Beispielsweise mit europäischen Unternehmens- und Staatsanleihen von hoher Qualität oder einem aus Aktienfonds bestehenden Weltmarktportfolio. Durch eine Gewichtung der einzelnen Länder anhand ihrer wirtschaftlichen Bedeutung in der globalen Wertschöpfungskette können Anleger eine systematische Aktienrendite erzielen.

SICHERHEITSFAKTOR.

In punkto Sicherheit sind vor allem zwei Aspekte zu beachten: Daten und Kapital. Wer ein Depot bei einem Robo-Advisor eröffnet, hinterlegt dort sensible Daten und sollte auf entsprechende Sicherheitsstandards großen Wert legen. Etwa, dass die persönlichen Daten verschlüsselt und ausschließlich auf deutschen Servern gespeichert werden. Und selbst im unwahrscheinlichen Fall eines Fremdzugriffs sollten bei einem seriösen Anbieter sowohl Daten als auch Vermögen des Kunden geschützt sein. So sorgt eine Zwei-Faktor-Authentifizierung dafür, dass Kunden Transaktionen beispielsweise über eine mobile-TAN autorisieren müssen und diese nur über das angegebene Referenzkonto laufen können. Ein weiterer Faktor ist die Sicherheit des angelegten Kapitals. Was passiert bei einer Insolvenz des Robo-Advisors? Eine Kooperation mit einer Partnerbank, bei der das Depot liegt, ist hier extrem wichtig. Denn dann bleibt das Vermögen von der Insolvenz des Robo-Advisors unberührt. Selbst im Fall einer Bankenpleite müssen sich Anleger nicht sorgen: Depots sind als Sondervermögen klassifiziert und werden wie ein Schließfach behandelt. Die Kapitalanlage darf folglich nicht berührt werden.

Erschinenen in der F.A.Z. vom 12.04.2017 © Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt. Zur Verfügung gestellt vom Frankfurter Allgemeine Archiv

growney in der FAZ



< Vorheriger Artikel

Robo-Advisor: Wie sicher ist das Geld der Anleger?
Nächster Artikel >

Alternativen zu Niedrigzinsen: Wo sich Geldanlage jetzt noch lohnt




Newsletter abonnieren & Investmentprozess erhalten.