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Rente im Ausland – was Deutschland von anderen Nationen lernen kann

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10. Oktober 2019 // Vorsorge

„Made in Germany“ gilt daheim wie in fernen Ländern als Gütesiegel und verspricht höchste Qualität und Zuverlässigkeit. In Sachen Altersvorsorge sollte sich Deutschland jedoch ein Beispiel an anderen Ländern nehmen, zeigt die aktuelle Studie „Altersvorsorge mit Aktien zukunftsfest machen. Was Deutschland von anderen Ländern lernen kann“ des Deutschen Aktieninstituts.

Klischees über andere Nationen gibt es wie Sand am Meer: Australier sind angeblich total entspannte Surfer, die Briten etwas altmodische Teetrinker, die Holländer selten bei einem großen Fußballturnier dabei und die US-Amerikaner latent größenwahnsinnig. Die Deutschen dagegen gelten im Ausland als sehr pünktlich und pedantisch. Sie brauen das beste Bier und bauen die tollsten Autos. Doch bei mindestens einer Sache können sie noch viel von anderen Ländern lernen: der Altersvorsorge.

Moment. Gilt die gesetzliche Rente in Deutschland nicht als ein besonders zuverlässiges System? Schließlich hatte Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU) den Spruch „Denn eins ist sicher: Die Rente!“ großflächig plakatieren lassen und es damit ins kollektive Gedächtnis der Bundesbürger geschafft. Doch das war im Jahr 1986.

Druck durch demografischen Wandel

Seitdem hat sich viel verändert. „Die gesetzliche Altersvorsorge in Deutschland steht vor den größten Herausforderungen ihres 130-jährigen Bestehens“, sagt Christine Bortenlänger, Geschäftsführender Vorstand des Deutschen Aktieninstituts (DAI). Die Krux: Durch den demografischen Wandel müssen immer weniger Beitragszahler in dem auch steuerfinanzierten Umlagesystem für immer mehr Rentner aufkommen.

Die Lebenserwartung steigt bereits seit Jahrzehnten, wie Daten der Weltbank zeigen. Im Jahr 2000 lag sie in Deutschland bei 78 Jahren, 2017 schon bei 81 Jahren. Somit verlängert sich auch die Rentenbezugsdauer. 1997 waren es im Schnitt knapp 16, zuletzt bereits rund 20 Jahre – also 4 Jahre mehr, die finanziert werden müssen. 2050 dürften daher allein den acht größten staatlichen Rentensystemen der Welt insgesamt fast 400 Billionen Dollar (rund 359 Billionen Euro) fehlen, haben Wissenschaftler der Universität Stanford ermittelt.

Die Auswirkungen sind längst spürbar: Um das System zu entlasten und die langfristige Finanzierbarkeit zu sichern, hat die Politik das Rentenniveau gesenkt und das Renteneintrittsalter auf 67 Jahre erhöht. Die Bundesbürger müssen also länger arbeiten und bekommen dafür weniger Rente als erhofft.

Auch andere Länder stehen vor denselben Herausforderungen. Einige von ihnen haben bereits darauf reagiert und Reformkonzepte umgesetzt. Die Lösung besteht häufig darin, dass das Umlageverfahren durch eine kapitalgedeckte Altersvorsorge ergänzt wurde, zeigt die DAI-Studie. Im Klartext: Andere Länder bauen stärker auf Aktien.

Rentensystem in Australien

Beispiel Australien: In der Surfer-Nation ist die betriebliche Altersvorsorge der Studie zufolge obligatorisch. Die Sparer können aus rund 200 Fonds wählen, der Staat schießt Geld dazu. Der Aktienanteil liegt in der Regel bei 45 Prozent.

Großbritannien mit Betriebsrentenplan

In Großbritannien werden Angestellte automatisch in einen Betriebsrentenplan einbezogen, solange sie nicht aktiv widersprechen (Opt-out-Modell). Wer widersprach, wird regelmäßig erneut auf die Möglichkeit betrieblicher Altersvorsorge hingewiesen. Zwei Drittel des Kapitals fließen in Aktien.

Altersvorsorge in Schweden

Das schwedische Rentensystem basiert, ähnlich wie das deutsche Rentenmodell, auf drei Säulen: staatliche Rente, Betriebsrente und die private Altersvorsorge. Nur mit dem Unterschied, dass in Schweden die staatliche Rente teilweise kapitalgedeckt ist. Außerdem ist jeder Beschäftige verpflichtet für die private Altersvorsorge einzuzahlen. Bei der „Premiepension“ investieren die Sparer in einen Fonds ihrer Wahl, der Aktienanteil liegt bei bis zu 92 Prozent.

So investiert Dänemark

In Dänemark hat sich für die betriebliche Vorsorge ein „Quasi-Obligatorium“ herausgebildet, heißt es in der DAI-Studie. Alle Beschäftigten, die dem jeweiligen Tarifvertrag der angeschlossenen Unternehmen angehören, werden eingebunden. Die Rolle der Aktie in der betrieblichen Vorsorge hängt davon ab, ob in den Plänen eine Garantie gewährt wird. Die Aktienquote bei solchen Pensionsfonds lag 2016 bei 22 Prozent, bei Pensionsfonds ohne Garantien betrug sie 37 Prozent.

Welchen Regeln die Niederlande folgen

Auch im Nachbarland ist neben der gesetzlichen Grundrente die betriebliche Altersvorsorge quasi-obligatorisch. Die niederländischen Pensionsfonds unterliegen keinen festgelegten Grenzen für die Investition in Wertpapiere, aber dem Grundsatz der unternehmerischen Vorsicht, so die DAI-Studie. Sie müssen einen Mindestdeckungsgrad einhalten, um heutigen und zukünftigen Verpflichtungen nachkommen zu können. Im vergangenen Jahr waren Festverzinsliche mit einem Anteil von rund 51 Prozent die wichtigste Anlageklasse. Dahinter rangierten Aktien mit einem Anteil von 31 Prozent.

Deutschland diskutiert neue Vorsorgemodelle

Daher darf es kaum überraschen, dass auch hierzulande die Stimmen lauter werden, die tiefgreifende Reformen des Rentensystems fordern. „Jetzt brauchen wir einen großen Wurf, der dem demografischen Wandel trotzt“, sagt DAI-Geschäftsführerin Bortenlänger. Sie möchte breiten Bevölkerungsschichten ein Ansparverfahren mit Aktien ermöglichen. Dazu brauche es kostengünstige und einfache Fonds, ohne teure Kapitalgarantien und ohne feste Anlagegrenzen. Die Auszahlungsphase solle dagegen flexibel sein, damit nicht alle Aktien in einer möglicherweise schwachen Marktphase verkauft werden müssten.

Das ifo-Institut schlägt eine andere Lösung vor: einen „Deutschen Bürgerfonds“. Die Münchener Wirtschaftsforscher fordern, dass die Bundesregierung neue Schulden aufnimmt und das Geld am Kapitalmarkt anlegt. Durch die Reinvestition soll eine Renditedifferenz erzielt werden. Simulationen des ifo-Instituts zeigen: Würde der Staat ab heute 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes pro Jahr für alle Erwerbsfähigen anlegen, finanziert durch langsameren Staatsschuldenabbau, ergäbe sich nach 50 Jahren bei einer durchschnittlichen Renditedifferenz von zwei Prozentpunkten ein Ertrag von gut 16.000 Euro pro Kopf, der mit dem Erreichen von 67 Jahren ausgezahlt werden könnte. Auch dieser Vorschlag ist allerdings nicht ohne Risiken und wird kontrovers diskutiert.

Anleger können auch direkt loslegen

Wer nicht so lange warten möchte, bis sich die Politik zu solch tiefgreifenden Reformen durchringt, kann selbst aktiv werden. Mittels börsengehandelter Indexfonds (Exchange Traded Funds/ETFs) können Anleger einfach und flexibel von der Entwicklung an den Kapitalmärkten profitieren und für den Ruhestand vorsorgen. Eine breite Streuung des Kapitals über viele Branchen und Regionen hilft, das Risiko zu verringern.

Wer es noch ein wenig defensiver haben möchte, kann zusätzlich Anleihen beimischen. Besonders einfach und zudem zu geringen Kosten geht das mithilfe der Anlagestrategien von growney. Wer prüfen möchte, welche Zusatzrente diese ihm bringen können, ermittelt mögliche Monatsrenten komfortabel mit dem Rentenrechner von growney. Und dann können Anleger auch ganz ohne Staat auf einen Ruhestand der Weltklasse hinarbeiten.

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Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Prof. Dr. Dietmar Hillebrand
Wissenschaftlicher Berater von growney

Bei der Asset Allokation und Fondsauswahl arbeitet growney eng mit Prof. Dietmar Hillebrand zusammen. Er ist Leiter des Steinbeis Transferzentrums Quantitative Finance und Professor für Wirtschaftsmathematik an der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin. Sein großes Ziel ist es, wissenschaftliche Erkenntnisse für Privatanleger nutzbar zu machen.



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