Growney geht ohne viel Getöse in den Markt

5. November 2016

Berliner Robo-Advisor setzt voll auf passive Strategie - “Optimieren kann man auf der steuerlichen Seite” - B2B-Partnerschaft kommt.

Bei der automatisierten Vermögensverwaltung geht es auch um Glaubenssätze. Wer wie Growney-Gründer Gerald Klein davon überzeugt ist, dass das Hin-und-her-Spielen der Märkte langfristig nichts bringt, der zieht ohne Wenn und Aber eine passive Strategie durch.

In Deutschland sprießen die Anlageroboter für die digitale Vermögensverwaltung nur so aus dem Boden. Rund ein Dutzend buhlen im B2C-Geschäft um private Anlegergelder, das Gros der Anbieter fährt aber inzwischen “Dual Track” und bietet Banken und Versicherungen ihre digitalen Dienste im sogenannten B2B-Geschäft an. Denn die Gelder fließen trotz mitunter hohen Marketingaufwands nur spärlich. Lediglich 150 bis 200 Mill. Euro liegen bislang in den Depots deutscher Robo-Advisor, was angesichts schlanker Gebührenstruktur auf eine recht dürftige Einnahmesituation schließen lässt.

Schlankes Geschäftsmodell

Da ist man als Newcomer gut beraten, mit einem schlanken Geschäftsmodell zu starten. So hält es jedenfalls das Berliner Start-up Growney, das im Mai mit Hilfe der Partnerbank Sutor ohne großes Tamtam in den Markt eingestiegen ist. Gründer und CEO Gerald Klein redet auch gar nicht um den heißen Brei herum und nennt die Eckdaten des Geschäftsverlaufs: Rund 400 Kunden haben bei der Gesellschaft bislang rund 3 Mill. Euro investiert. Sie fingen oft mit kleinen Summen an, bauten Vertrauen auf und stockten dann mitunter erheblich auf, so dass man grundsätzlich über Plan liege, sagt Klein. Im Schnitt seien die Volumen zwar noch nicht so hoch, es sei für Growney aber viel wichtiger zu sehen, “dass das Anlagekapital des Kunden wächst und er Vertrauen fasst”.

Viele kämen über Affiliate-Programme, in der Regel sei der Growney-Kunde ein sehr versierter Anleger und in seiner Entscheidungsfindung schon ziemlich weit fortgeschritten. “Rechtsanwälte und Ärzte sind als Berufsgruppen bei uns am stärksten vertreten.” Er habe zwar gedacht, dass Growney jüngere Kunden anzieht, “aber die kommen hoffentlich noch zu uns, wenn wir die Marke noch mehr aufgebaut haben”. Im kommenden Jahr soll die Tausendermarke geknackt werden.

“Profitabel sind wir schon zwischen 5 000 und 10 000 Kunden. Und in fünf Jahren wollen wir den Break-even-Punkt erreicht haben, je nachdem, wie viel für Marketing und Weiterentwicklung der Technologie ausgegeben wird.” Auf dem Weg dahin will Growney seine Palette auch um B2B-Partnerschaften erweitern und befindet sich bereits in ersten Gesprächen auf der Versicherungs- und Bankenseite. “Wir wollen zum einen unsere Marke weiterentwickeln und andererseits im kommenden Jahr zwei bis drei Partner einbinden, die unsere Plattform nutzen.” Bei der Einordnung im Robo-Advisor-Universum geht Growney Klein zufolge (”Mein passiver Ansatz ist total solide und konservativ”) den Weg von Betterment. “Die sind in der Anlagestrategie genauso passiv unterwegs wie wir.” Der US-Pionier unter den digitalen Vermögensverwaltern gilt noch vor Wealthfront als das Vorzeigeunternehmen der Branche, steuert einen ruhigen Kurs und hat bereits mehr als 5 Mrd. Dollar Assets under Management. Die mit viel Hype in den Markt gehende und vor allem auf eine junge, techaffine Klientel zielende britische Nutmeg hat hingegen noch nicht wirklich Fuß fassen können. Im Mai kam es zu einem Chefwechsel, das Depotvolumen wurde bei diesem Anlass auf “ein paar hundert Millionen Pfund für einige zehntausend Kunden” beziffert. Das klingt ein wenig ernüchternd, wenn man bedenkt, dass sich die Nutmeg-Investoren um Tim Draper (Skype) eigentlich die Disruption des Sektors auf die Fahnen geschrieben haben.

Solch forsche Töne werden von deutschen Robo-Advisors nicht angestimmt. Beim Benchmarking mit der Robo-Konkurrenz geht es für Klein um Grundsätzliches: “Ein gut diversifiziertes ETF-Fondsportfolio, das passiv gesteuert wird, ist für mich die erfolgversprechendste Anlagestrategie für Privatkunden. Optimieren kann man auf der steuerlichen Seite. Und wir sind die Einzigen, die den Sparer bei der Sisyphusarbeit unterstützen, zum Beispiel den Sparerpauschbetrag zu nutzen. Der muss nicht verloren gehen, wenn man stille Reserven auf einer Position hat, die man heben kann.”

Von der Konkurrenz abheben

Dieses Spezialwissen sei ein Schwerpunkt, den Growney herausstelle, denn “da unterscheiden wir uns auch vom Wettbewerb”. Er wolle weitere Funktionalitäten schaffen, die den Kunden beim Sparen unterstützen. Insofern unterscheide sich Growney doch von anderen automatisierten Vermögensverwaltern. Außerdem werde man wohl der einzige Anbieter sein, der die betriebliche Altersvorsorge aufnimmt.

Auf diesem Gebiet habe man einen Hintergrund durch den Lead-Investor der Gesellschaft. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Hahn & Partner ist über die Partenum Beteiligungsgesellschaft, die zur Hälfte dem Family Office von Ann Kathrin Linsenhoff gehört, an Growney beteiligt. Klein ist größter Anteilseigner und plant, weitere Investoren aufzunehmen, die “Geld und Know-how mitbringen und Growney voranbringen. Da werden noch einige Finanzierungsrunden kommen.”

von Björn Godenrath // Erschienen in der Börsenzeitung Ausgabe 214 vom 05.11.2016, Seite 2



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