Zahlung wird verweigert; Payment for Order Flow: Welche Folgen hat das PFOF-Verbot?

Payment for Order Flow: Welche Folgen hat das PFOF-Verbot?

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16. Januar 2024 // Aktuelles

Günstig oder gar kostenlos Aktien kaufen – für Neobroker oder Trading-Apps war das jahrelang eines der wichtigsten Versprechen an Anleger. Doch nun gibt es eine wesentliche Änderung: Die sogenannte Praxis des Payment for Order Flow (PFOF) wird in der Europäischen Union verboten, in den nächsten Jahren soll dieses PFOF-Verbot umgesetzt werden.

Im Juni 2023 haben sich der Europäische Rat und das EU-Parlament darauf geeinigt. Über ein entsprechendes Gesetz wurde am 16. Januar 2024 im EU-Parlament debattiert.

Ziel der Änderung: Der Wertpapierhandel soll transparenter, günstiger und damit auch wettbewerbsfähiger werden.

Das Verbot von PFOF ist dabei nur ein Schritt. Daneben soll ein EU-weiter Datenticker Anlegern ermöglichen, auf einer einzigen Plattform den Überblick über Kursdaten an verschiedenen Handelsplätzen zu erhalten. Kleinanleger sollen so nahezu in Echtzeit sehen können, wie ein Wertpapier aktuell gehandelt wird. Entsprechend können sie entscheiden, zu welchem Kurs sie z.B.  Aktien kaufen oder verkaufen möchten.

Wie funktioniert Payment for Order Flow (PFOF)

Die Abkürzung PFOF steht für Payment for Order Flow, also die Provisionszahlung für Auftragsvermittlung von Handelsaufträgen. Oft ist in diesem Zusammenhang auch von Rückvergütungen oder Kickback-Provisionen die Rede. Broker leiten dabei die Handelsaufträge ihrer Kunden an bestimmte Handelsplattformen oder -plätze weiter – und lassen sich dafür bezahlen.

Diese Provisionen sind eine zusätzliche Einnahme für Neobroker und Trading Apps. Oft nehmen sie durch die Rückvergütungen ein Vielfaches dessen ein, was der Kunde für einen Trade bezahlt. Dieses Prinzip wird nicht nur auf Aktien angewendet, sondern auch für andere Wertpapiere. Also auch für ETF-Sparpläne.

Nachteil für die Anleger

  • Normalerweise kann sich ein Anleger aussuchen, über welchen Handelsplatz sein Auftrag ausgeführt wird. Er kann sich also gezielt den Handelsplatz aussuchen, bei dem er den besten Kurs oder das höchste Umsatzvolumen erwartet. Neobroker oder Trading-Apps bieten eine solche Vielfalt oft nicht, sondern wickeln den Handel über spezialisierte Handelshäuser ab. Diese werden auch als Market Maker oder Liquidity Provider bezeichnet. Dadurch kann sich ein schlechterer Kurs ergeben.

Vorteil für die Anleger

  • Wickelt ein Neobroker alle Handelsaufträge über solche Market Maker bzw. Liquidity Provider ab, kann dadurch auch ein positiver Effekt entstehen, weil das Handelsvolumen höher wird. Zudem ist für Kunden der Handel relativ günstig oder gar kostenlos, weil die Neobroker Geld dafür bekommen, dass sie die Order weiterreichen.

Das Problem der Transparenz

  • Für die Anleger ist dabei nicht ersichtlich, wie viel Geld daran verdient wird, dass sie beispielsweise Aktien kaufen oder verkaufen wollen. Das können mehrere Euro Rückvergütung für einen einzelnen Trade sein – Geld, das auch an irgendeiner Stelle verdient werden muss, zum Beispiel durch den Bid-Ask-Spread beim Aktienhandel.
  • Gerade für wenig erfahrene Kleinanleger entsteht so eine gefährliche Falle: Möglicherweise ergibt sich durch ihre Order ein besonders hoher Spread, von dem die Market Maker bzw. Liquidity Provider besonders profitieren können.Weil Neobroker und Trading-Apps durch das PFOF-System verdienen, haben sie zudem ein großes Interesse daran, ihre Kunden immer wieder zum Kauf und Verkauf von Aktien zu animieren. Häufiges Handeln führt aber oft zu einer schlechteren Rendite.
  • Gerade in Deutschland wird das PFOF-Verbot intensiv diskutiert. Mittlerweile gibt es sogar eine Online-Petition, mit der das EU-Parlament aufgefordert wird, dem Vorhaben nicht zuzustimmen. Deutschland hatte sich zuvor stark gegen das Verbot eines Payment for Order Flow eingesetzt.

PFOF-Verbot: Keine Auswirkungen bei growney

Für Anleger bei growney ändert sich durch das PFOF-Verbot nichts. Denn Payment for Order Flow spielt bei der Entwicklung der Anlagestrategien und der Identifikation der passenden ETFs keine Rolle.

Die Auswahl erfolgt vielmehr nach einem wissenschaftlichen Ansatz und klar definierten Kriterien. Ziel: ETFs auswählen, die einen Index besonders gut und zu möglichst geringen Kosten abbilden. Eine Finanzierung über Rückvergütungen oder Kickback-Provisionen widerspricht diesem Ziel.

Denn dadurch würde ein potenzieller Zielkonflikt entstehen, bei dem nicht mehr die beste Entscheidung für die Anleger und ihr ETF-Depot im Zentrum steht, sondern möglicherweise auch die Höhe von Provisionen eine Rolle spielen könnte.

growney-Anleger sollen hier aber volle Transparenz und Offenheit von uns erwarten können – das unterscheidet growney auch von Banken oder Sparkassen, die ebenfalls vor allem provisionsgetrieben reagieren. Konkret:

  • growney erhält keine Gelder für den Kauf/Verkauf von ETFs oder die Bestände in den Depots der Anleger.
  • Bei der Fonds-Auswahl orientiert sich growney an den Investitionszielen der Anleger und an wissenschaftlichen Kriterien.
  • Durch das PFOF-Verbot ergibt sich kein Änderungsbedarf, für growney-Anleger bleiben die Konditionen also komplett unverändert.
Capital-Interview: Warum das PFOF-Verbot den Kunden nutzt

Die rechtliche Situation

Durch den Beschluss der Europäischen Union soll Payment for Order Flow (PFOF) in allen Mitgliedsstaaten verboten sein. Integriert werden soll das in die neuen Fassungen der EU-Finanzmarkt-Verordnung MIFIR (Markets in Financial Instruments Regulation) und der EU-Richtlinie zum Anlegerschutz MIFID II (Markets in Financial Instruments Directive).

Dazu wird ein neuer Artikel 39 a aufgenommen, nachdem eine Provisionszahlung für die Weiterleitung von Kunden-Orders untersagt ist. Der Textentwurf vom Oktober 2023 wurde im Januar 2024 im EU-Parlament beraten.

Ab wann gilt ein PFOF-Verbot?

Doch die Regel muss erst in Gesetze der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten umgesetzt werden. Zudem wird unterschieden, ob es bislang die Möglichkeit eines Payment for Order Flow gegeben hat.

  • Ist das nicht der Fall, gilt das PFOF-Verbot ab Inkrafttreten der neuen Regeln. Das heißt, es darf kein System für solche Zahlungen mehr eingeführt werden.
  • Gibt es bislang diese Möglichkeit von Rückvergütungen bzw. Kickback-Provisionen, so soll das PFOF-Verbot spätestens zum 30. Juni 2026 durchgesetzt werden. Das gilt beispielsweise für Deutschland. Neobroker bzw. Trading Apps werden deshalb ihr Geschäftsmodell entsprechend verändern müssen, weil ein wesentlicher Teil ihrer Einnahmen wegfallen wird.

Nach dem Gesetz über den Wertpapierhandel besteht übrigens schon aktuell die Verpflichtung, Aufträge von Anlegern mit dem Ziel auszuführen, „das bestmögliche Ergebnis für seine Kunden zu erreichen“. Dabei ist auf mögliche Zielkonflikte hinzuweisen. Es gelten strenge Regeln für Zahlungen anderer Unternehmen, wie es beim Payment for Order Flow der Fall ist. Dabei ist vorgesehen, dass solche Rückvergütungen oder Kickback-Zahlungen offengelegt werden müssen.

Aus gutem Grund: Schon aus dem klassischen Filialgeschäft von Banken und Sparkassen ist leider bekannt, dass oft nicht die Ziele des Anlegers das wichtigste Kriterium für die Auswahl von „Empfehlungen“ stehen. Vielmehr spielt eine Rolle, wie viel Provision dafür fließt – ein entscheidender Interessenskonflikt, der unbedingt offengelegt werden sollte.

Mehr Kostentransparenz bei Verzicht auf Payment for Order Flow

Das PFOF-Verbot ist eine drastische Maßnahme, um die bisherige Praxis zu beenden.

Das Verbot soll vor allem dem Anlegerschutz dienen. Bislang ist zu wenig erkennbar, von wem und in welcher Höhe Neobroker oder Trading-Apps Zahlungen für die Aufträge ihrer Kunden erhalten. Nur wenigen ist tatsächlich bekannt, dass Market Maker bzw. Liquidity Provider an den Orders mitverdienen und deshalb ansehnliche Provisionen für die Weiterleitung des Handelsvolumens zahlen können.

Denn Fakt ist: Durch den Handel mit Wertpapieren entstehen Transaktionskosten – und je nach Ausprägung der Leistung auch Servicekosten. Das gilt für ETFs, Fonds, Optionen, Anleihen und Aktien genauso wie für alle anderen Wertpapiere. Es schadet nichts, dass dieser Umstand mit der aktuellen Diskussion um das geplante Verbot deutlich wird.

Diese Kosten – und die Leistung dahinter – transparent zu machen, ist auch eine große Chance. Beim Payment for Order Flow (PFOF) wurde dies in der Praxis aber sträflich versäumt.

So konnte der Eindruck entstehen, dass hier Zielkonflikte und mögliche Nachteile für Kunden von Neobrokern oder Trading-Apps versteckt werden sollten. Die zusätzlichen Einnahmen aus Provisionen wurden oft im Kleingedruckten oder in komplexen Jahresbescheinigungen versteckt.

Alternative: Servicegebühr statt Provision

Dienstleistungen kosten Geld. Das gilt auch für Finanzdienstleistungen. Anleger dürfen mit Recht erwarten, dass sie erfahren, was sie im Gegenzug dafür bekommen.

Bei growney haben wir uns deshalb schon immer auf die offene Kommunikation verständigt: Ja, wir erheben eine transparente Servicegebühr.

Diese umfasst folgende Inklusivleistungen:

  • Individuell passende Anlagestrategien nach einem wissenschaftlichen Expertenkonzept
  • Depot- und Kontoführung
  • alle Ordergebühren
  • Automatisches Rebalancing ensprechend der Kurs-Entwicklung (mit jeder Einzahlung sowie zusätzlich einmal jährlich)
  • ETF-Auswahl nach klaren Kriterien
  • Ständige Überwachung des Portfolios
  • Ausführliche Berichte zur Wertentwicklung des Depots
  • Umfangreiches Service-Angebot
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