Das Gespenst der Volatilität geht um: Die Aktienmärkte schwanken und Nachrichten über starke Kursausschläge sorgen für Verunsicherung. In Zeiten, in denen traditionelle sichere Anlageformen wie …
Die meisten Analysten hatten mit Zöllen in Höhe von ca. 10 % gerechnet. Als der Präsident dann in den ersten Minuten seiner Rede genau 10 % als Basiszoll verkündete, reagierten die Aktienmärkte zunächst mit Erleichterung und Kursgewinnen. Dann wurde jedoch eine Liste mit zusätzlichen „reziproken“ Zöllen pro Land verkündet, die für einige Länder wie Vietnam in Richtung 50 % gehen. Dies erhöht die effektive Zollrate in den USA auf Werte deutlich über 20 % und damit in eine Höhe, die in den letzten 100 Jahren nicht erreicht wurde.
Dieser unnötige, selbstzerstörerische, ökonomisch kaum zu rechtfertigende, massive Anschlag auf den internationalen Handel sorgte weltweit für starke Reaktionen an den Märkten.In der Folge gaben die Kurse stark nach: So verlor der US-Aktienmarktindex S&P 500 allein am 3.4.2025 fast 5 %, der technologielastige Index Nasdaq Composite sogar fast 6 %. Auch in Europa verzeichneten Aktien deutliche Abschläge – der deutsche DAX schloss am 3. April etwa 3 % tiefer, und der Stoxx Europe 600 verlor knapp 2,6 %.
Viele exportorientierte Branchen gerieten unter Druck, während einige Anleger in sichere Häfen auswichen. Beispielsweise stieg die Nachfrage nach Staatsanleihen deutlich: Die Rendite zehnjähriger US-Treasuries sank wieder in den Bereich von 4 %.
Einordnung: Historische Korrekturen im Vergleich
Trotz des spürbaren Kursrückgangs bleibt die aktuelle Bewegung im historischen Kontext bisher moderat. Seit seinem Höchststand vom 19.2.2025 hat der S&P 500 12,2 % an Wert eingebüßt. Zur besseren Einordnung drei Episoden, in denen die Märkte noch weitaus stärker korrigierten:
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Corona-Crash 2020: Die rasche Ausbreitung der COVID-19-Pandemie führte im Frühjahr 2020 zu einem der schnellsten Börsenabstürze der Geschichte. Innerhalb von nur 23 Handelstagen verlor der S&P 500 etwa 34 % an Wert.
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Finanzkrise 2008: Die globale Finanzkrise, ausgelöst durch den Zusammenbruch der Investmentbank Lehman Brothers im September 2008, ließ die Aktienmärkte dramatisch einbrechen. Vom Höchststand 2007 bis zum Tiefpunkt Anfang 2009 fiel der S&P 500 um mehr als 50 %.
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Schwarzer Montag 1987: Am 19. Oktober 1987 („Black Monday“) erlitt der Dow Jones Industrial Average den größten prozentualen Tagesverlust seiner Geschichte. Der Index fiel an einem einzigen Tag um rund 22,6 %. Panikartige Verkäufe, ausgelöst durch automatisierte Handelssysteme und steigende Zinsen, beschleunigten damals den Kurssturz erheblich.

Langfristige Perspektive an den Börsen
Ein langfristiger Blick auf den Aktienmarkt relativiert diese drei Beispiele kurzfristiger Einbrüche. Ein Chart der Performance des US-Aktienmarktes seit 1950 (siehe Abbildung) zeigt, dass selbst schwere Korrekturen wie 1987, 2008 oder 2020 im Rückblick kaum sichtbar sind.

Historisch haben sich die Aktienmärkte nach jedem größeren Rückschlag wieder erholt und neue Höchststände erreicht.
Trotz zwischenzeitlicher Krisen verzeichnete der US-Aktienmarkt seit 1950 im Schnitt eine jährliche Performance von über 11 %. Diese langfristige Aufwärtstendenz spiegelt das globale Wirtschaftswachstum und die Innovationskraft der Unternehmen wider.Temporäre Korrekturen waren für den langfristig orientierten Anleger zwar schmerzhaft, auf lange Sicht aber nur vorübergehend.
Bedeutet: Trotz Korrekturen an den Märkten war es auch in extremen Situationen richtig, in Aktien zu investieren. Für die aktuelle Situation stellen sich folgende Fragen:
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Sind Aktien auch in Zukunft ein Investment, das eine attraktive Rendite verspricht?
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Ist eine Neuaufteilung zwischen regionalen Aktienmärkten vorzunehmen, etwa durch ein geringeres Engagement in US-Aktien?
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Sind Euro-Anleihen als Assetklasse geeignet, eine solide Rendite zu erzielen)?
Mögliche Auswirkungen der Trump-Zölle: Inflation vs. Wachstum
Im Folgenden werden mögliche Szenarien diskutiert, wie sich die angekündigten Handelsbarrieren makroökonomisch auswirken könnten:
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Inflationäre Effekte durch Trumps Zollpolitik
Zusätzliche Zölle verteuern importierte Waren und könnten den Preisauftrieb beschleunigen. In einem Umfeld steigender Inflation behalten Sachwerte wie Aktien ihre Relevanz. Unternehmen sind häufig in der Lage, gestiegene Kosten über höhere Preise weiterzugeben, so dass Unternehmensgewinne und Aktienkurse nominal mit der Teuerung mitwachsen.
Bei Inflationssorgen ist deshalb die gezielte Beimischung realer Vermögenswerte wie Aktien oder Immobilien empfehlenswert, deren Preise langfristig mit der Inflation steigen. Aktien bleiben in diesem Szenario ein essenzieller Bestandteil im Portfolio, um Kaufkraftverluste abzufedern.
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Wachstumsdelle und Zinssenkungen
Zölle als Handelshemmnis könnten das Wirtschaftswachstum deutlich bremsen, wenn globale Lieferketten und Exportmärkte beeinträchtigt werden. Tatsächlich signalisiert der Anleihemarkt bereits entsprechende Erwartungen: Die Marktzinsen für Staatsanleihen sind seit der Ankündigung der Zölle deutlich gesunken. Dies deutet darauf hin, dass eine Konjunkturabkühlung und in der Folge eine lockerere Geldpolitik (Zinssenkungen durch Fed und EZB) eingepreist werden.
In einem solchen Umfeld würden bereits bestehende verzinsliche Anlagen profitieren, da sinkende Zinsen die Kurse von Anleihen steigen lassen. Hochwertige Anleihen mit mittlerer Duration fungieren somit als Stabilisator im Portfolio. Die growney Anlagestrategien berücksichtigen dies bereits, sofern keine reine Aktienstrategie gewählt wurde.
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Regionale Verschiebung des Wirtschaftswachstums
Die Einführung neuer US-Zölle und die erratische, wenig verlässliche Politik der US-Regierung unter Donald Trump könnten zudem zu einer Verschiebung der globalen Wirtschaftsaktivität führen.
Während sich das Wachstum in den USA möglicherweise verlangsamt, könnten andere Wirtschaftsregionen – beispielsweise Europa oder die Schwellenländer – profitieren, wenn Handelsströme und Investitionen neu geordnet werden. Vor diesem Hintergrund zeigt sich erneut, wie wichtig eine breite geografische Diversifikation bei der Aktienanlage ist.
Anleger, die ausschließlich oder überwiegend auf den MSCI World Index setzen, tragen ein erhebliches Klumpenrisiko, da Ende März etwa 72 % des Index auf US-Aktien entfallen, insbesondere auf Technologiewerte. In den growney-Anlagestrategien ist der Anteil einzelner Länder aber bewusst gedeckelt, um solche Klumpenrisiken auszuschließen. Gegenüber dem MSCI World machen US-Aktien also einen deutlich geringeren Anteil aus.
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Künftige Bedeutung von US-Aktien
Ausgehend von Trumps Zollpolitik scheinen die Veränderungen im weltweiten Handel vor allem die USA zu betreffen. Die Wirtschaftsprognosen für die US-Wirtschaft haben sich in Folge der Zollpolitik bereits deutlich eingetrübt. Insofern stellt sich die Frage, ob der Anteil von US-Aktien im Portfolio reduziert werden sollte.
Allerdings bleiben die USA auch unter US-Präsident Donald Trump zunächst die größte Volkswirtschaft der Welt – mit zahlreichen international bedeutenden Unternehmen. Zudem zeigt sich, dass politische Entscheidungen in den USA derzeit auch relativ schnell wieder verworfen bzw. abgeändert werden. Der erwartete negative Effekt der Zölle dürfte durch die starken Kursbewegungen der letzten Tage jetzt bereits eingepreist sein.
In der aktuellen Situation bleibt es also trotzdem geboten, in US-Aktien zu investieren, weil man nur so vom Wachstumspotenzial dieses wichtigen Marktes profitieren kann.
Fazit: Überprüfung der diversifizierten Anlagestrategien
Neben der historischen Einordnung kurzfristiger Rückschläge am Aktienmarkt gibt es aktuelle Gründe, weshalb ein breit diversifiziertes Portfolio aus Aktien und Anleihen weiterhin die beste Wahl für Privatanleger ist. Die besten Chancen bietet ein global diversifiziertes Aktienportfolio, das neben den USA auch Europa, Asien und Schwellenländer gemäß ihrer Wirtschaftskraft angemessen berücksichtigt. So werden Klumpenrisiken systematisch reduziert und erhöht langfristig die Widerstandsfähigkeit der Geldanlage gegenüber regionalen oder branchenspezifischen Krisen.
Konkret zeigt sich für die aktuelle Situation:
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Aktien bleiben ein wichtiger Faktor für die mittel- und langfristige Geldanlage. Es gibt kein anderes Investment, mit dem sich über die Jahre eine so attraktive Rendite erzielen lässt. Aktien generieren auf lange Sicht den Großteil der Rendite.
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Für eine Neuaufteilung des Portfolios zwischen regionalen Märkten ist derzeit kein Anlass gegeben. Durch die Berücksichtigung der regionalen Wirtschaftskraft liegt eine solide und ausreichend diversifizierte Anlagestrategie vor.
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Anleihen dienen weiterhin als Stabilisator, insbesondere um die Schwankungen der Aktienmärkte auf Dauer auszugleichen. Durch die festgelegten Zinssätze ergibt sich ein relevanter Sicherheitsfaktor.
Ungeachtet der aktuellen Turbulenzen bleibt der fundamentale Ansatz unserer langfristigen Vermögensverwaltung also unverändert gültig. Durch eine breite Streuung können Verluste in einem Bereich durch Gewinne in einem anderen ausgeglichen oder zumindest abgemildert werden.
Ebenso wichtig sind eine kosteneffiziente, passive Umsetzung und Geduld: Kurzfristige Marktrückgänge ändern nichts an den langfristigen Ertragschancen einer disziplinierten Anlagestrategie. Dieser diversifizierte, passive Ansatz hat sich über verschiedene Marktzyklen hinweg bewährt und bleibt auch angesichts des aktuellen Kursrückgangs der sinnvollste Weg für Anleger, um gelassen in die Zukunft zu blicken.
Selbstverständlich behalten wir die Marktentwicklungen sowie die wirtschaftliche Bedeutung einzelner Länder (wie beispielsweise der USA) auch weiter für Sie im Blick und werden bei Bedarf Änderungen an der Geldanlage vornehmen.