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Altersvorsorgedepot: 167.000 Euro mehr Vermögen für die Rente

Diese Gesetzesänderung betrifft Millionen Menschen! Die private Altersvorsorge wird ab 2027 neu geregelt: Die bisherige Riester-Rente wird ersetzt, ETF-Sparen für die Rente ist dann auch mit Steuervorteilen und Zulagen möglich
  • Beispiele der Geldanlage-Plattform growney zeigen, wer besonders profitiert und für wen es sich gar nicht lohnt
  • ETF-Depot soll ab 2027 die Riester-Rente ersetzen.
  • Änderung der privaten Altersvorsorge am 8. Mai vom Bundesrat bestätigt.

Bis zu 540 Euro Zulagen jährlich gibt es vom Staat, plus Zuschläge für Eltern und junge Menschen. Und trotzdem lohnt sich das neue Modell nicht für alle.

Vor allem junge Menschen profitieren von der Neuregelung der privaten Altersvorsorge. Das zeigen Beispielrechnungen der Geldanlage-Plattform growney, die den Effekt von Zulagen und Steuervorteilen detailliert untersucht hat.

Berechnet wurde dabei jeweils der Unterschied zu einem weltweiten ETF-Portfolio, das die weltweiten Aktienmärkte abbildet (durchschnittliche Rendite: 6,5 % p.a.)

 

Beispiele: 167.000 Euro mehr Vermögen

  • Ein 22-Jähriger mit 100-Euro-Sparplan kann mit dem Altersvorsorgedepot deutlich mehr Vermögen erzielen (381.900 Euro statt 214.770 Euro). Für eine monatliche Auszahlung ab 67 Jahren sind das rund 710 Euro monatlich mehr.
  • 30-Jährige mit einem Kind und Sparplan von 100 Euro im Monat haben im Alter monatlich rund 530 Euro mehr. Ohne Kind und dafür mit 150 Euro monatlichem Sparplan macht der Unterschied rund 475 Euro aus.
  • Mit zunehmendem Alter sinkt der positive Effekt: 40-Jährige mit 2 Kindern und einem 200-Euro-Sparplan haben im Alter rund 260 Euro im Monat mehr.
  • Bei 50-Jährigen mit 300-Euro-Sparplan (keine Kinder) ergeben sich gerade einmal 4 Euro Vorteil bei der monatlichen Auszahlung im Alter. Mit dem Altersvorsorgedepot entsteht zwar mehr Vermögen als mit einem ETF-Sparplan (247.000 Euro statt 196.500 Euro). Die Auszahlung wird aber stärker versteuert, so dass sich kaum ein Vorteil ergibt.

Grafik zeigt Beispiele Altersvorsorgedepot: Berechnung mit ETFs und Zulagen

Der Zinseszins-Effekt und die staatlichen Zulagen wirken sich besonders stark aus, wenn der Vertrag möglichst lange besteht. Deswegen sehen wir bei jungen Menschen schon einen hohen Effekt, auch wenn sie monatlich nur 100 Euro ins Altersvorsorgedepot einzahlen“,

sagt Thimm Blickensdorf, Geschäftsführer der Geldanlage-Plattform growney. Ab 40 Jahren lohnt sich aber eine genaue Abwägung, ob das Altersvorsorgedepot wirklich die bessere Wahl ist.

 

Förderung durch den Staat

Wesentlicher Vorteil der neuen privaten Vorsorge: Die Erträge müssen bis zum Rentenalter nicht versteuert werden. Dadurch entfällt die sonst fällige Kapitalertragsteuer, die bei einem ETF-Sparplan rund ein Viertel abschöpft (26,375 %, ggf. plus Kirchensteuer) – und damit die Rendite schmälert.

Zusätzlich gibt es bis zu 540 Euro Zulage jährlich:

  • 50 % vom Staat auf Zahlungen bis 360 Euro
  • 25 % zusätzlich auf Zahlungen zwischen 360 und 1.800 Euro

Hinzu kommen Leistungen für Eltern und junge Anleger: Für jedes minderjährige Kind gibt es 100 % Zulage (bis 300 Euro). Unter-25-Jährige erhalten zusätzlich im ersten Vertragsjahr 200 Euro.

Für einen 24-Jährigen mit 2 Kindern sind im ersten Jahr also 1.340 Euro möglich, wenn mindestens 150 Euro im Monat eingezahlt werden.

Finanz-Experte Thimm Blickensdorf:

Angesichts der drohenden hohen Rentenlücke ist es richtig und wichtig, die private Vorsorge stärker zu fördern. Dass dies jetzt auch mit kostengünstigen ETFs möglich ist, sehen wir als positives Signal. Millionen Menschen in Deutschland werden davon profitieren.“

Wer bisher einen Riester-Vertrag hat, kann das angesparte Vermögen in ein Altersvorsorgedepot umschichten und so von den neuen Möglichkeiten profitieren – ohne dass die bisherige Förderung zurückgefordert wird.

 

Altersvorsorgedepot: Vorteile gegenüber Riester-Verträgen

  • Höhere Zulagen: Die Zulagen sind höher als bei Riester-Verträgen (max. 175 Euro)
  • Auch Selbstständige können ihre Altersvorsorge künftig fördern lassen
  • Keine Garantie vorgeschrieben: Es gibt mehr Anlagemöglichkeiten als bei Riesterverträgen, wo die Versicherung zu hohen Kosten eine Garantie verspricht
  • Mehr Auszahlungsoptionen: Neben der lebenslangen Rente ist auch ein Auszahlplan bis mindestens zum 85. Lebensjahr möglich
  • Standardlösung zu Maximalkosten: Im Altersvorsorgedepot muss eine Standardlösung mit Aktien- und Anleihefonds angeboten werden, deren Kosten auf 1 % pro Jahr begrenzt sind
Alle Vor- und Nachteile

Das Altersvorsorgedepot soll zum 1. Januar 2027 starten. Der Bundesrat hatte dem Gesetz am 08. Mai 2026 zugestimmt, so dass es in Kraft treten kann. Die Finanzbranche hatte bereits im Sommer letzten Jahres einen Neustart bei der privaten Altersvorsorge gefordert. Zu den mehr als 30 Unterzeichnern gehörten neben growney auch N26, DKB, Blackrock, Vanguard, quirion und Scalable Capital.

 

Für wen es sich weniger lohnt

Die growney-Berechnungen belegen, dass der Riester-Nachfolger nicht für alle geeignet ist. Für bestimmte Gruppen kann ein normales ETF-Portfolio oder eine ETF-Vorsorge tatsächlich die bessere Wahl sein.

  • Nur noch 20 Jahre oder weniger bis zur Rente
    Zulagen und der positive Zinseszinseffekt können dann nur wenig wirken. Dafür muss die Auszahlung im Alter voll versteuert werden.

 

  • Menschen, die den Sparerfreibetrag bislang nicht nutzen
    Wer bislang den Sparerfreibetrag von 1.000 € pro Jahr nicht nutzt, hat einen deutlich geringeren oder sogar gar keinen Vorteil von einem Altersvorsorgedepot. Bei einem ETF-Sparplan sind die Auszahlungen flexibler und werden geringer besteuert.

Riester-Reform: Grafik mit Beispielrechnungen für Altersvorsorge

 

  • Anlegerinnen und Anleger, die flexibel bleiben wollen
    Das Altersvorsorgedepot ist bei den Auszahlungen sehr limitiert. Auszahlungen vor dem Alter von 65 sind förderschädlich – das heißt Zulagen und Steuerersparnis müssen zurückgezahlt werden. Im Rentenalter ist dann nur eine monatliche Auszahlung zulässig.

 

  • Sparer, die eine risikoaverse Geldanlage bevorzugen

    Wer sehr zurückhaltend anlegt – etwa mit Geldmarkt-ETFs – darf keine besonders hohe Rendite erwarten. Die Berechnungen der Experten von growney zeigen, dass der Zinseszins-Effekt dann deutlich geringer ausfällt und es kaum noch einen Vorteil gegenüber einem Sparplan gibt.

Grafik: Beispiele für Altersvorsorge mit Zulagen, private Rente

 

  • Alle, die größere Beträge oder unregelmäßig einzahlen
    Das Altersvorsorgedepot ist nicht sehr flexibel. Es müssen mindestens 10 Euro im Monat gezahlt werden – sonst gibt es keine Zulagen. Die gesamten Einzahlungen sind auf 6.840 Euro pro Jahr beschränkt. Ein Nachteil für Menschen, die Geld aus Erbschaften, Prämien oder Sonderzahlungen einmalig in größerer Summe investieren möchten.

 

Flexible Alternative: Steuerbegünstigte ETF-Vorsorge

Mögliche Alternative: eine steueroptimierte ETF-Geldanlage als Rentenversicherung. Thimm Blickensdorf von growney:

Was viele gar nicht wissen: Schon jetzt gibt es Möglichkeiten, sich Steuervorteile und Flexibilität zu sichern. Eine smarte Kombination von ETF-Geldanlage und Versicherung macht das möglich."

Eine solche Lösung ist für alle geeignet, die kaum vom Altersvorsorgedepot profitieren oder größere Beträge zurücklegen wollen. Anleger sollten dabei aber unbedingt auf die Kosten achten – und darauf, dass eine solche ETF-Rentenversicherung besonders flexibel ist und z.B. vorzeitige Auszahlungen problemlos möglich sind.

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