Ruhepol im Portfolio: So senken Anleihen das Risiko

Ruhepol im Portfolio: Anleihen senken das Risiko
Anleger, die in Europa nach attraktiven Zinsen Ausschau halten, suchen momentan vergebens. Die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und weitere Faktoren wie der demografische Wandel und das gedämpfte Produktivitätswachstum drücken die Zinsen auf Rekordtiefs. Als risikolos geltende Staatsanleihen bester Qualität rentieren sogar im negativen Bereich. So schwankt etwa die Umlaufrendite von Bundeswertpapieren aktuell um -0,09 Prozent (Stand:18.10.2016).

Anleihen reduzieren die Portfolioschwankungen

Können Anleihen im anhaltenden Niedrigzins-Umfeld tatsächlich ein sinnvoller Baustein zur Risikosteuerung in einem Aktienportfolio sein? Die Antwort ist: ja. Mit dem Anleihenanteil wird die Portfolioschwankung der individuellen Anlagenpräferenz angepasst. Das funktioniert, weil Anleihen – insbesondere solche mit kurzen Laufzeiten – deutlich weniger im Wert schwanken als Aktien.

Kurze versus lange Anleihelaufzeiten und Alternativen

Bei verkürzter Haltedauer lässt sich nicht ohne Weiteres von der Rendite auf den Ertrag einer Anleihe schließen. Kurzfristig kann eine Anleihe mit negativer Rendite auch positive Erträge liefern, schließlich werden bei weiter sinkendem Zinsniveau die Anleihe-Kurse steigen. Geht man aber davon aus, dass die Zinsen künftig wieder steigen werden, drohen Anleihebesitzern fallende Kurse. Aufgrund von Zinsänderungs-, Inflations- und Rating-Risiken ist das Verlustrisiko bei langlaufenden Anleihen weitaus größer als bei Anleihen mit kurzen Laufzeiten.

Privatanlegern stehen aber auch Anlagemöglichkeiten zur Verfügung, die gar nicht im Wert schwanken. Tagesgeld etwa bietet volle Flexibilität, kein Kursrisiko – und dazu noch eine positive Verzinsung. Laut Biallo-Tagesgeldindex liegt deren Höhe derzeit im Durchschnitt bei 0,23 Prozent (Stand: 08.11.2016). Zudem scheinen Bankeinlagen dank der gesetzlichen Einlagensicherung bis 100.000 Euro vollständig abgesichert.

Wie verlässlich ist die Einlagensicherung?

Welchen Grund haben Anleger also noch, ihr Depot mit Anleihen abzusichern statt mit Tagesgeld oder Festgeld? Nun, zumindest einen ziemlich guten: Die gesetzliche Einlagensicherung ist nicht ohne Weiteres mit der Sicherheit einer deutschen Staatsanleihe vergleichbar. Denn wer seine Ersparnisse auf ein Tagesgeldkonto bei einer Bank legt, erwirbt zunächst einen Rechtsanspruch gegenüber dem Kreditinstitut. Sollte dieses in eine Krise geraten und das angelegte Geld nicht auszahlen können, greift der Einlagensicherungsfonds der privaten Banken. Erst danach kommt die gesetzliche Einlagensicherung zum Zug, die allerdings nicht mit dem Staat gleichzusetzen ist, sondern ein Sondervermögen des Bundes in der Rechtsform einer GmbH ist. Von dieser Systematik ausgeschlossen sind die Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Sie fallen nicht unter die gesetzliche Einlagensicherung, sondern sind durch eine so genannte Institutssicherung geschützt. Diese soll sicherstellen, dass es erst gar nicht zur Insolvenz eines Mitgliedsinstituts kommt. Der deutsche Staat erkennt die Institutssicherung als gleichwertig zur gesetzlichen Einlagensicherung an.

Es bleibt jedoch ein kleines Restrisiko, ob der Staat wirklich im vollen Umfang einspringt. Dieses Risiko nimmt über 100.000 Euro und mit einem Gang ins europäische Ausland zu, denn hier gilt die deutsche gesetzliche Einlagensicherung nicht mehr.

Eine europäische Staatspleite hingegen ist deutlich unwahrscheinlicher als die Pleite einer europäischen Bank. Das hat bereits das Beispiel Zypern gezeigt: Die Staatspleite konnte der Inselstaat 2013 abwenden, doch die Anleger verloren einen Teil ihrer Bankeinlagen über 100.000 Euro.

Kauft ein Anleger mehrere Staats- oder Unternehmensanleihen unterschiedlicher Schuldner in Form von Fonds, hat er einen direkten Anspruch gegenüber den Staaten und Unternehmen. Sein Risiko ist wesentlich besser gestreut, als nur auf eine einzelne Branche zu setzen.

Fakt ist: Dass europäische Staaten bei einer erneuten Bankenkrise wieder einspringen oder einspringen können, ist nicht garantiert. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte daher mit Anleihen diversifizieren – und eine leicht negative Rendite als Sicherheitspuffer akzeptieren. Wer bereit ist, das Bankrisiko zu tragen, sollte seinen individuellen Anleiheanteil in Tagesgeld anlegen.


Über den Autor: Gerald Klein // growney Gründer & CEO Gerald Klein - growney CEO

Gerald Klein blickt auf 25 Jahre Bankenerfahrung im Kapitalmarktgeschäft zurück. Freunde haben Ihn oft gefragt: „Was soll ich mit meinem Geld tun?“ Mit growney hat er endlich die passende Antwort gebaut, hinter der er zu 100% steht.
„Erfolgreiche Geldanlage ist im Grunde relativ einfach und besteht aus drei Eckpfeilern: In ein kostengünstiges und diversifiziertes Fondsportfolio investieren, das zu meiner Risikomentalität passt.“
Diesen Weg verfolgt die growney-Anlageplattform konsequent. Mithilfe intelligenter Technologie testen Anleger ihre Risikobereitschaft, erhalten einen Anlagevorschlag und setzen diesen mit growney um.